HANNOVER, 14. Dezember 2010


Agrarministerin will Tierschutz vorantreiben

Geflügel Grotelüschen kündigt Arbeitsgruppe an – Studie belegt Mängel bei Haltung – Kritik der Opposition hält an


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Geht in die Offensive: Astrid Grotelüschen BILD: dpa  Bild vergrößern

Die Studie liegt dem Ministerium offenbar bereits seit September vor. Grotelüschen will im Amt bleiben.

von Marco Seng

Hannover - Die umstrittene Agrarministerin Astrid Grotelüschen (Ahlhorn) tritt die Flucht nach vorne an. Nach der heftigen Kritik am Tierschutz in der Geflügelindustrie kündigte die CDU-Politikerin am Montag eine Arbeitsgruppe zum Thema „Tierwohl “an. Erst kürzlich hatte die Ministerin ihren Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke (CDU) zurückgepfiffen, als der eine Verbesserung des Tierschutzes in Aussicht stellte.

Zugleich wurde am Montag allerdings eine Studie aus dem Agrarministerium bekannt, die Berichte über Missstände in der Geflügelmast untermauert. Masthühner leiden demnach häufig an Fußballen-Entzündungen, stehen vor allem im Winter auf matschigem Boden, und in den Ställen ist es zu eng. Die Landtags-Opposition sprach von „gravierenden Mängeln“ und warf Grotelüschen vor, den Tierschutz auf die lange Bank zu schieben.

Die Ministerin erklärte, die Arbeitsgruppe solle sich auch mit kritischen Befunden der vom Ministerium in Auftrag gegebenen Studie beschäftigen. Eine Öffentlichkeitskampagne solle außerdem darauf abzielen, „die moderne Landwirtschaft nach draußen zu kommunizieren“. Der Arbeitsgruppe „Tierwohl“ sollen neben Berufsverbänden, Tierschützern und Landwirten auch Vertreter aus Wissenschaft und Politik angehören.

Der Direktor des Instituts für Tierhygiene an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Jörg Hartung, hatte zusammen mit einer Mitarbeiterin die Haltung von Masthühnern untersucht. Er mahnt Verbesserungen vor allem bei der Qualität des Einstreus an und plädiert auch dafür, die Zahl der Hühner in den Ställen zu verringern.

Die Opposition kritisierte, dass die Studie seit September vorliege, aber erst jetzt veröffentlicht worden sei. Aus dem Ministerium hieß es dazu, die Bewertung der sehr umfangreichen Studie dauere noch an. Die Ergebnisse seien „bewusst zurückgehalten“ worden, „weil sie nicht ins politische Konzept passen“, sagte die SPD-Agrarexpertin Andrea Schröder-Ehlers. „Dieses Schweigen spricht Bände“, meinte Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer.

Tierschützer und die Opposition werfen Grotelüschen seit Monaten vor, sie verharmlose Missstände bei der Geflügelmast. Der niedersächsische Landvolk-Präsident Werner Hilse sieht dagegen die Geflügelbranche angesichts der anhaltenden Tierschutz-Debatte zu Unrecht in Verruf gebracht. Es werde der Eindruck vermittelt, als gehe es in den Ställen nur noch um „Tierquälerei“, sagte Hilse.

Grotelüschen will von einem Rücktritt weiter nichts wissen. Mit Ministerpräsident David McAllister (CDU) gebe es ein gutes Einvernehmen über ihr Verbleiben im Amt, betonte die Ministerin. „Ich habe nichts Gegenteiliges gehört.“

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