Pipeline-Bau erlaubt Blick in die Geschichte
Archäologie Entlang der Erdgasleitung aus Sibirien fördern Grabungen römische Münzen und Gefäße zutage
von Lore Timme-Hänsel
Syke - Über 200 Kilometer verläuft die Erdgasleitung auf einer Breite von 36 Metern quer durch Niedersachsen, von Hittbergen an der Elbe bis zur Verteilerstation Rehden am Dümmer See. Das Projekt stellt nicht nur die Betreiber und ihre Ingenieure vor eine große Herausforderung, sondern auch die archäologische Denkmalpflege.
In Anwesenheit von Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka präsentierte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege am Donnerstag im Kreismuseum Syke erste Fundstücke, darunter römische Münzen aus der Zeit um 165 n. Chr. und aus einem Grab einen sogenannten Hemmoorer Eimer aus dem 3. Jahrhundert. „Wir werden noch auf mehr Überraschungen stoßen“, ist sich Direktor Dr. Stefan Winghart sicher. Er erwartet „ein neues Bild der alten Welt“.
Der Bau der Erdgasleitung sei für die Archäologie eine Riesenchance, einen repräsentativen Querschnitt durch eine Jahrtausende alte Kulturlandschaft zu gewinnen, sagte Ministerin Wanka. Sie hob die Finanzierung des Archäologieprojekts durch die Investoren (Wingas und Eon-Ruhrgas) hervor, womit das Land neue Wege beschreite.
Die Projektleitung liegt beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, die eigentlichen Geländearbeiten führen seit November vergangenen Jahres sechs spezialisierte Grabungsfirmen aus. Ein Drittel der Gesamtfläche wird bereits im Vorfeld der Bauarbeiten erforscht, die restliche Strecke wird baubegleitend untersucht. Die Gesamtfläche der vielen Ausgrabungsstellen beträgt über sieben Quadratkilometer. Die Pipeline ist somit das größte Archäologieprojekt Niedersachsens und gehört zu den größten Grabungsprojekten in Europa.
In einzelnen Museen entlang der Trasse soll es im Herbst/Winter kleine Werkschauen mit Funden aus den Landkreisen Lüneburg, Harburg, Rotenburg, Verden und Diepholz geben.
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