„Störzonen“ lassen an Gorleben zweifeln
Endlagersuche Birkner will Alternativen – Bohrungen im Wendland nur bis Herbst
von Marco Seng
Gorleben - Vom Aufzugschacht in 840 Meter Tiefe ist es nur ein kleiner Spaziergang, bis die Problemzone beginnt. Vorbei an Salzbergen windet sich ein breiter, staubiger Weg weiter nach unten. Bei einem auffälligen Stützbogen legen Umweltminister Stefan Birkner (FDP) und der Präsident des Bundesamtes für Strahlungsschutz (BfS), Wolfram König, einen Stopp ein. „Hier ist das Anhydrit bewusst durchstoßen worden“, erklärt König dem Minister.
Anhydrit gehört zu den Salzformationen, die bei der Erkundung des Bergwerks Gorleben Sorgen machen. Niemand weiß, wie weit die Schicht nach oben reicht und ob sie für Grundwasser durchlässig ist. König spricht von „Störzonen“, die Gorleben ungeeignet machen könnten für die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll. Einige Meter weiter, in einer hell erleuchteten Kammer, treiben Arbeiter einen Bohrkern 99 Meter tief in die Anhydrit-Schicht. „Es gibt bisher keine Erkenntnisse, die Gorleben grundsätzlich als Endlager ausschließen“, betont König.
Der neue Umweltminister Birkner ist bereits zwei Wochen nach seinem Amtsantritt ins Wendland gefahren, um sich ein Bild von den Erkundungsarbeiten in Gorleben zu machen. Birkner hält einen Stopp der Arbeiten im Herbst für möglich. Die Entscheidung darüber könnte bereits beim Endlager-Gipfel von Bund und Ländern kommende Woche in Berlin fallen. Niedersachsen hat das Moratorium vorgeschlagen, um eine bundesweite Endlagersuche zu ermöglichen. Birkner sieht sich als Vermittler zwischen Gegnern und Befürwortern eines Endlagers im Wendland. „Wir möchten zwischen zwei Extremen vermitteln“, sagt er. „Gorleben muss aber bei der Auswahl im Topf bleiben.“
Unter Tage zeigt König dem Minister in einem dunklen Gang feuchte Wände. Kohlenwasserstoff heißt hier das Problem. Auch an dieser Stelle wird gebohrt, gemessen und gesammelt. Gasvorkommen, Salzlaugen – die Liste der möglichen Gefahren in Gorleben ist lang. „Nicht die Politik entscheidet über den Standort, sondern die Geologie“, resümiert Birkner.
Rund 1,6 Milliarden Euro wurden in Gorleben in den vergangenen 30 Jahren verbaut. König geht davon aus, dass mindestens weitere 15 Jahre notwendig sind, bis ein Endlager hier genehmigungsfähig sein könnte.
Birkner rechnet nicht vor 2035 bis 2040 mit einem Endlager in Deutschland. Zunächst müssten die Frage der Lagerung in tiefen Schichten und eine mögliche Rückholbarkeit geklärt werden. Dann werde über Suchräume entschieden. Schließlich würden die Standorte über und unter Tage erkundet. „Die Erfahrungen in der Asse sprechen nicht gegen Salz als Medium an sich“, so Birkner.
Vor dem benachbarten Zwischenlager, in dem die strahlenden Castor-Behälter gelagert werden, wartet ein Dutzend Demonstranten auf den Minister. „Ich bin gesprächsbereit“, sagt der FDP-Politiker und steigt mutig aus dem Bus aus.
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