HANNOVER, 7. Februar 2012


Polizei fahndet künftig auf Facebook

Sicherheit Projekt aus Hannover soll ausgeweitet werden – Schünemann sieht kein Datenschutz-Problem


Über das Sozialnetzwerk sollen junge Menschen angesprochen werden. Der Landesdatenschutzbeauftragte ist skeptisch.

von Marco Seng

Hannover - Die schwarz-gelbe Landesregierung will die Kriminalität künftig verstärkt im Internet bekämpfen. Die Polizei will landesweit das Sozialnetzwerk Facebook für die Fahndung nach Straftätern, aber auch für die Suche nach Vermissten nutzen. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) lobte die „überaus positiven“ Erfahrungen der Polizeidirektion Hannover mit der Facebook-Fahndung. Deshalb ist jetzt ein zentraler Auftritt bei Facebook durch das Landeskriminalamt geplant. „Die Erfolge sind durchaus beeindruckend“, sagte Schünemann am Montag in Hannover.

Die Polizeidirektion Hannover nutzt seit März 2011 Facebook. „Bisher hatten wir dabei acht Erfolge bei der Fahndung und Vermisstensuche“, erklärte der Minister. Als Beispiel für einen schnellen Fahndungserfolg nannte er die Aufklärung eines Sexualverbrechens aus dem letzten Jahr. Innerhalb weniger Stunden habe der Fall anhand des Fotos von einer Überwachungskamera in einer Diskothek aufgeklärt werden können. Bei der Vermisstensuche sei ein verschwundenes Mädchen drei Stunden nach Erstattung der Vermisstenanzeige wohlbehalten aufgefunden worden.

Laut Schünemann hat die Facebook-Seite der Polizei Hannover derzeit fast 98 000 Fans. Über das Sozialnetzwerk würden vor allem jüngere Menschen erreicht. Etwa 60 Prozent der Fans seien zwischen 18 und 34 Jahren alt. „Diese junge Generation müssen wir für die Fahndung nutzen. Das ist ein Mehrwert, auf den wir nicht verzichten wollen“, sagte der Minister.

Schünemann sieht juristische und datenschutzrechtliche Probleme ausgeräumt. In jüngste Zeit waren deswegen auf der Facebook-Seite der Polizei Hannover keine Fahndungen mehr veröffentlicht worden. Personenbezogene Daten sollen künftig nicht mehr über die US-Server des Netzwerks laufen.

Der Landesdatenschutzbeauftragte Joachim Wahlbrink bleibt allerdings bei seiner Kritik. Nach wie vor könnten Menschen über die Facebook-Fahndung „lebenslang an den Pranger gestellt“ werden, sagte er. Die Polizei sollte zudem ihre Nutzer darauf hinweisen, dass ihre Daten in den USA ausgewertet werden. Auch die Landtags-Linken sehen die Facebook-Fahndung skeptisch. „Das kann dazu führen, dass Menschen lebenslang gebrandmarkt sind, falls sich der Verdacht als falsch herausstellt“, sagte die Abgeordnete Pia Zimmermann.

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