Vater verschleppter Kinder schuldfähig
Odyssee Angeklagter gilt als engstirnig
Lüneburg - Ein Gutachter hat den Vater von vier nach Ägypten verschleppten Kindern für schuldfähig erklärt. Der 38-Jährige aus Hermannsburg bei Celle ist dem psychiatrischen Gutachten zufolge für seine Tat voll verantwortlich. Der Sachverständige schilderte den Mann am Dienstag vor dem Lüneburger Landgericht als „engstirnig und rigide“. Der Mann hatte vor Gericht zugegeben, mit seinen vier- bis achtjährigen Kindern am Ostermontag 2011 heimlich nach Kairo geflogen zu sein. Reue über die viermonatige Odyssee durch Nordafrika zeigte er nicht. Gott gebe ihm das Recht dazu, hatte er betont.
Dem 38-Jährigen sei weder eine Persönlichkeitsstörung noch eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit nachzuweisen. Der Mann leide trotz seiner extremen Beschäftigung mit Religion auch nicht an einer Wahn-Erkrankung oder Psychose, sagte der Gutachter. Bei der Planung der Reise mit seinen Kindern habe er hingegen immer wieder Abwägungen getroffen, die „folgerichtig und logisch“ gewesen seien. Bevor er mit den Kindern nach Ägypten flog, hatte er erfahren, dass seine Chance, das Sorgerecht zu bekommen, aussichtslos ist.
Der Gutachter beschrieb den arbeitslosen Krankenpfleger als „egozentrisch“. Er habe Größenfantasien und ein vermindertes Selbstwertgefühl. Möglicherweise gebe ihm seine Religion eine Art Sonderrolle. Seit 2004 hatte er sich zurückgezogen und extrem mit der christlichen Religion befasst.
Ein Sozialpädagoge betonte als Zeuge, der Mann sei mit seinen Kindern bei Treffen sehr liebevoll umgegangen. Die Ansichten des 38-Jährigen bezeichnete der Sozialpädagoge als „krass“. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.
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