10. März 2010


Ein Verbot ändert nicht das Grundübel

Thomas Mayer, Wirtschaftsexperte
Das Thema: Finanzspekulationen


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BILD: DB  Bild vergrößern

Von Christoph Slangen

Frage: Die Regierungen prüfen Verbote und Einschränkungen bei Spekulationen. Lassen sich Krisen so verhindern?

Mayer: Die Krise hat gezeigt, dass es Defizite in der Regulierung gibt. Die vorherrschende Ansicht vor der Finanzkrise war, dass Märkte immer effizient und Marktteilnehmer immer rational sind. Das ist zwar meistens so, aber nicht immer. Deshalb muss die Regulierung besonders auf der Makroebene verbessert werden. Mehr Transparenz ist ebenfalls wichtig. Jedoch führen Verbote bestimmter Aktivitäten nicht weiter. Ein Verbot von Leerverkäufen oder eine Einschränkung bei den Kreditausfallversicherungen zum Beispiel ändert das Grundübel nicht. Wenn ein Staat finanziell unter Druck gerät wie jetzt Griechenland, hat das nicht einfach spekulative Ursachen, sondern Gründe in der Finanzlage. Diese Gründe müssen beseitigt werden.

Frage: Welche Alternativen zu Verboten gibt es?

Mayer: Bei Banken muss die Reservehaltung antizyklisch gestaltet werden. Man muss die Banken dazu bringen, im Aufschwung mehr Reserven zu halten als im Abschwung. Aber auch im Kleinen gibt es immer wieder Verbesserungsbedarf. Dass beispielsweise in den Vereinigten Staaten der Hypothekenmarkt völlig unreguliert war, war ein Auslöser der Krise.

Frage: Wie beurteilen Sie die Debatte über eine Bankenabgabe, um die Institute an den Kosten der Steuerzahler für ihre Rettung zu beteiligen?

Mayer: Sie bedeutet eine weitere Belastung für das Geschäftsergebnis der Banken. Das hat zur Folge, dass die Banken diese Belastung an die Kunden weitergeben. Sie zahlen letztlich. Die Banken haben in der Krise erheblich Federn gelassen. Das spiegelt sich in ihrem Aktienkurs. Die Anleger in Bankaktien haben einiges hinter sich. Die staatliche Hilfe war auch nicht gerade billig. Banken, die Kreditausfallrisiken versichern wollten, mussten erhebliche Gebühren zahlen. Wenn die Belastungen an den Endkunden weitergegeben werden, erreicht man nicht das Ziel, die Kreditversorgung der Wirtschaft.

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Thomas Mayer ist seit dem 1. Januar 2010 Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er ist Nachfolger von Norbert Walter.




 



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