17. März 2010


Katholische Kirche in schwerer Krise

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Von Rasmus Buchsteiner

Frage: Herr Glück, Missbrauchsfälle erschüttern die katholische Kirche. Der Papst schweigt. Was erwarten Sie von Benedikt XVI.?

Glück: Wir haben es hier mit einem hausgemachten Problem unserer Kirche in Deutschland zu tun. Die Zuständigkeit für die Aufklärung liegt bei den Bischöfen. Wenn die Verantwortlichen der katholischen Kirche in Deutschland ihrer Pflicht zur Aufarbeitung nicht gerecht würden, wäre es Sache des Papstes, sich einzuschalten. Aber ich sehe nicht, dass das notwendig wäre. Der Papst hat sich immer wieder sehr klar und eindeutig zum Thema Kindesmissbrauch durch Geistliche geäußert – ob es nun um die Vorgänge in den USA oder in Irland ging.

Frage: Wie beurteilen Sie die Vorwürfe im Fall eines wegen Missbrauchs vorbelasteten Priesters, der nach München versetzt wurde, als Joseph Ratzinger dort Erzbischof war?

Glück: Für mich ist die Darstellung der Erzdiözese nachvollziehbar. In einer Ordinariatssitzung, an der natürlich der damalige Erzbischof teilgenommen hat, wurde beschlossen, diesem jungen Priester aus Essen eine Therapie in München zu ermöglichen. Der damalige Generalvikar hat erklärt, dass er persönlich und ohne Abstimmung mit dem Erzbischof die Entscheidung getroffen hat, diesen Priester in der Seelsorge einzusetzen. Dies sieht er als großen Fehler an. Darüber hinaus gibt es keinen zusätzlichen Klärungsbedarf.

Frage: Immer mehr Fälle werden bekannt – was bedeutet die jetzige Situation für die katholische Kirche in Deutschland?

Glück: Die Dimension des Vertrauensverlustes ist dramatisch. Es ist keine Krise des Glaubens, aber eine schwere Krise der katholischen Kirche in Deutschland. Es wird vieler Anstrengungen bedürfen, verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken wird sich mit der Situation am 17. April bei seiner Vollversammlung in München ausführlich beschäftigen. Wir fühlen uns für unsere Kirche mitverantwortlich.

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