24. August 2010


Facebook macht Profile seiner Mitglieder zu Geld

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von Irmela Herold

FRAGE: Frau Aigner, Sie sind vor einigen Wochen aus Facebook ausgetreten, weil Sie den Umgang mit den Nutzerdaten kritisieren. War der Austritt der richtige Schritt, um einen Internetriesen wie Facebook zu beeindrucken?
AIGNER: Ich habe mit meinem Austritt eine breite Debatte angestoßen über Verantwortung und Spielregeln sozialer Netzwerke. Längst geht die öffentliche Diskussion weit über die Grenzen unseres Landes hinaus. Facebook sah sich durch den Protest gezwungen, die Sicherheitseinstellungen zu verbessern. Dennoch: Das Grundproblem ist noch nicht gelöst.

FRAGE: Welche Punkte kritisieren Sie konkret?
AIGNER: Facebook hatte die Sicherheitseinstellungen immer weiter zulasten der Nutzer gelockert. Wer seinen Namen und seine Bilder halbwegs wirksam schützen wollte, musste sich erst durch eine Vielzahl von Einstellungen klicken. Das geht mittlerweile zwar wieder etwas einfacher, aber noch immer ist es so, dass sensible Daten der Mitglieder von Anfang an einsehbar sind. Dabei sollte es genau umgekehrt sein: Die höchste Sicherheitsstufe muss Standardeinstellung sein. Facebook ist 2004 als heimeliges Studentennetzwerk gestartet, das die Interessen seiner Mitglieder achtete und deren Profile schützte. Heute verfolgt Facebook das Geschäftsmodell, die Profile seiner Mitglieder durch immer neue Verknüpfungen zu Geld zu machen.

FRAGE: Sie haben mit Facebook Gespräche geführt. Besteht Aussicht, dass die amerikanische Firma ihren Datenschutz so anpasst, dass er mit der deutschen Rechtslage vereinbar ist?
AIGNER: Wir sind in Kontakt mit dem Unternehmen, um weitere Veränderungen zu erreichen. Federführend ist der Datenschutzbeauftragte von Hamburg, wo Facebook seinen Sitz hat. Eines ist klar: Das deutsche Recht gilt auch für US-Unternehmen, wenn sich diese mit ihrem Angebot an den deutschen Markt wenden.

FRAGE: Was raten Sie Nutzern, die nicht wie Sie auf Facebook verzichten wollen?
AIGNER: Ich denke, vielen gerade jungen Nutzern ist oft nicht bewusst, dass vermeintliche „Gratisangebote“ wie Facebook nicht wirklich kostenlos sind. Wir bezahlen dafür, und zwar mit der Preisgabe unserer persönlicher Daten. Ein weiteres Problem: Unbedarft veröffentlichte Bilder oder Kommentare können noch Jahre später unangenehme Folgen haben, weil sie kaum aus dem Netz zu löschen sind.

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