30. August 2010


Bedrohungen mittlerweile global

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BILD: dpa  Bild vergrößern

von Knut Pries

FRAGE: Herr Shea, der 9. September 2001, Krieg in Afghanistan und Pakistan – welche Lehren zieht die NATO aus diesen Ereignissen?
SHEA: Damals war Europa unser strategischer Horizont. Heute sind die Bedrohungen global, die Antworten müssen es auch sein. Zweitens: Wir brauchen Partner. Gegen die UdSSR konnten wir uns allein verteidigen. Jetzt sind wir nur so gut wie unsere Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten. Drittens: Früher ging es um die Sicherheit von Territorien, heute mehr um die Sicherheit der Menschen.

FRAGE: Ex-Bundespräsident Horst Köhler sagte, auch Handelswege müssten notfalls militärisch verteidigt werden. Stimmt das?
SHEA: Es geht um das, was die Amerikaner die „globale Gemeindewiese” nennen. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft basiert auf einem globalen Netzwerk von Produktion und Handel. Das Funktionieren unserer Gesellschaften hängt von weltumspannenden Verbindungen ab. Ein paar Piraten vor der afrikanischen Küste oder Computer-Kriminelle können massive Störungen mit katastrophalen Folgen anrichten. Dagegen müssen wir uns schützen.

FRAGE: Wovon wird das Bündnis die Finger lassen?
SHEA: Man sollte nie „Nie” sagen – die Nato muss sich veränderten Bedrohungen anpassen. Aber es gibt Grundprinzipien: Wir brauchen immer den Konsens aller Verbündeten; wir brauchen Legitimität, etwa durch ein UN-Mandat; wir brauchen vernünftige Erfolgsaussichten und zivile Partner. Die Nato muss weltweit aktionsfähig sein, aber sie ist kein Weltpolizist.

FRAGE: In Afghanistan wurde vieles falsch gemacht?
SHEA: Jedenfalls haben wir viel gelernt: Das Militär muss von vornherein wissen, wer was auf der zivilen Seite tut. Ein militärischer Plan reicht nicht, man muss sofort beginnen, einheimische Kräfte auszubilden. Wenn wir damit in Afghanistan 2003 angefangen hätten, wären wir heute weiter. Und man muss die Nachbarstaaten einbinden. Die Notwendigkeit zu humanitären und stabilisierenden Einsätzen wird aber nicht verschwinden – nach Einschätzung der Weltbank ist ein Drittel aller Staaten instabil.

FRAGE: Welche Rolle spielt künftig Russland?
SHEA: Russland ist Partner, wenn es nach uns geht, strategischer Partner. Das wäre gut für die Sicherheit im euro-atlantischen Raum und für den Umgang mit neuen Bedrohungen.

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