31. August 2010


Sarrazin hat eine rote Linie überschritten

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von Rasmus Buchsteiner

FRAGE: Die Bundesbank hält fest an Thilo Sarrazin als Vorstand. Ist das eine richtige Entscheidung?
BÖHMER: Für mich ist er als Bundesbankvorstand nicht mehr tragbar. Was Herr Sarrazin in seinem Buch und in Interviews von sich gibt, zeigt sehr deutlich: Er hat eine rote Linie überschritten. Seine Argumentation stützt sich nur in geringem Maße auf Fakten. Er hält sich an Halbwahrheiten und zeichnet ein Zerrbild der Integration. Natürlich haben wir Nachholbedarf, natürlich gibt es noch Defizite bei Spracherwerb, Bildung und Ausbildung vieler Migranten. Herr Sarrazin spricht immer nur über die Defizite.

FRAGE: Sie meinen die Äußerungen zu Erblichkeit und Intelligenz?
BÖHMER: Herr Sarrazin erklärt Intelligenz und Bildung kurzerhand für erblich. Das ist schlicht und einfach nicht haltbar. Wir haben durchaus auch viele Migranten muslimischen Glaubens, die es zu sehr guten Schulergebnissen bringen. Hier sind Pauschalisierungen wirklich fehl am Platz. Man darf nicht alles über einen Kamm scheren. Solche Vorwürfe dienen der Sache überhaupt nicht.

FRAGE: Was spricht dagegen, zugespitzt über das Thema Integration zu streiten?
BÖHMER: Wer die Probleme nicht benennt, wird auch nicht zu Lösungen kommen. Aber wir sollten nicht nur die Probleme, sondern auch Erfolge und Fortschritte bei der Integration sehen. Wenn Herr Sarrazin wirklich etwas für bessere Integration hätte tun wollen: Als Finanzsenator in Berlin hatte er dafür sieben Jahre lang Zeit. Aber es waren sieben verlorene Jahre. Heute hängen die Migranten in Berlin im bundesweiten Vergleich am stärksten zurück.

FRAGE: Stimmt es, dass Zuwanderer aus muslimischen Ländern größere Integrationsdefizite haben?
BÖHMER: Das trifft nur teilweise zu. Bei vielen Zuwanderern aus der Türkei gibt es noch oft große Bildungsdefizite. Allerdings: Ähnlich große Bildungspro­bleme gibt es bei Migranten mit italienischen Wurzeln. Das wird viele überraschen. Generell kann man sagen, dass in den letzten Jahrzehnten vor allem Menschen aus bildungsfernen Schichten nach Deutschland zugewandert sind, denn in Deutschland wurden Arbeitskräfte für einfache Tätigkeiten gebraucht. Aus neuen Studien wissen wir, dass junge Türken gute Bildungschancen haben und eher Gymnasium oder Realschule besuchen, wenn sie von ihren Eltern unterstützt werden.

FRAGE: In Deutschland müssten Zuwanderer nicht arbeiten, argumentiert Sarrazin – wird zu wenig gefordert und zuviel gefördert?
BÖHMER: Das sind Argumentationsmuster aus vergangenen Zeiten. Wir haben umgesteuert. Heute sind alle Anstrengungen darauf gerichtet, dass sich die

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Bildungs- und Ausbildungssituation verbessern und damit ihre Arbeitsmarktchancen. Dafür wird die Bundesregierung die Anerkennung akademischer Abschlüsse aus dem Ausland in Deutschland erleichtern. Wer in der Integrationspolitik mit offenen Augen hinschaut, sieht die Fortschritte.




 



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