Friedliche Revolution ging von Christen aus
FRAGE: 20 Jahre vereinigtes Deutschland – wissen die Deutschen die Einheit zu wenig zu schätzen?
SCHNEIDER: Ich erlebe ein Grundgefühl großer Dankbarkeit für die Wiedervereinigung. An der einen oder anderen Stelle gibt es natürlich auch Klagen, Unzufriedenheit und berechtigte Kritik. Aber das sollte die Freude
über die Einheit und die friedliche Revolution nicht überlagern. Die Angleichung der Lebensverhältnisse ist allerdings noch nicht so weit, wie sich das viele im Osten wünschen. Es fehlt im vereinigten Deutschland noch an Wertschätzung für Ost-Biografien und -Erfahrungen. Gleichzeitig sehen sich inzwischen finanzschwache Kommunen im Westen überfordert mit den Aufwendungen für den Aufbau Ost.
FRAGE: Fehlt es an Solidarität im vereinten Deutschland?
SCHNEIDER: Es hat sehr viel Solidarität gegeben, gerade unter den Arbeitnehmern in Ost und West. Die großen Sozialkassen haben die Einheit
getragen und dafür gesorgt, dass es keine größeren sozialen Abstürze gegeben hat. Das war eine große Leistung. Gleichwohl hat es Härten gegeben. Mancher war nicht so in die Solidarität eingebunden, wie es richtig gewesen wäre. Einige aus dem Westen haben sich eine goldene Nase verdient. Sie kassierten Subventionen, ohne am Erhalt der Arbeitsplätze interessiert gewesen zu sein. Da hat es Entwicklungen gegeben, die ich kritisch sehe.
FRAGE: Angesichts der Defizite im Einigungsprozess – wird die DDR verklärt?
SCHNEIDER: Es gibt Ostalgie. Hier geht es um eine fatale Verklärung der DDR, die für viele wie eine Flucht aus der Realität ist. Allerdings gab es in der DDR einige Einrichtungen, die man nicht zwangsläufig hätte abschaffen sollen. Bei der medizinischen Versorgung oder in der Kinderbetreuung musste bei Null angefangen werden.
FRAGE: Werden die Verdienste der Kirche und der kirchlichen Oppositionsbewegung in Zusammenhang mit der friedlichen deutschen Revolution in der DDR ausreichend gewürdigt?
SCHNEIDER: Es gibt durchaus Wertschätzung für die Leistung der Kirchen in der Wendezeit. Aber leider ist das Wissen um die Verdienste der Kirchen in der DDR nicht sehr verbreitet. Vielen ist nicht mehr bewusst, dass die
friedliche Revolution von den Christinnen und Christen in der DDR ausging.
Die Hoffnung, dass die Kirche nach der Einheit in gesellschaftlicher
Bedeutung und Mitgliedschaft einen Aufschwung erleben würde, hat sich leider
nicht erfüllt.
SCHNEIDER:
- FRAGE: Herr Lies, wie sehen Sie die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, ist da nicht alles im grünen Bereich?
LIES: Im Gegenteil, wir haben einen zweigeteilten Arbeitsmarkt: Beschäftigte mit guter tariflicher Bezahlung und ein immer dramatischer werdender Niedriglohnbereich.mehr
- FRAGE: Bei ihrem Gipfeltreffen in Chicago will die NATO über die Finanzierung der afghanischen Streitkräfte nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes 2014 beraten. Wie viel Geld wird künftig von Deutschland nach Afghanistan fließen?
NIEBEL: Wir wollen die Unterstützung zunächst auf dem bisherigen Niveau fortsetzen.mehr
- FRAGE: Sie werden 85 und stehen immer noch fast jeden Abend auf der Bühne. Haben Sie nie daran gedacht, kürzerzutreten? Oder brauchen Sie das Geld?
HILDEBRANDT: Geld brauche ich immer, es brauchen auch Leute Geld, die mit mir zusammenleben.mehr
- FRAGE: Wie familienfreundlich sind Betriebe in Deutschland?
QUEISSER: Deutschland steht im europäischen Vergleich gar nicht schlecht da. Bei der Arbeitszeitplanung haben Arbeitnehmer innerhalb bestimmter Grenzen ein Mitspracherecht.mehr



