27. Januar 2012


Online-Welt und Realität nähern sich an

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Jan Pfetsch BILD: dpa  Bild vergrößern

Erziehungswissenschaftler Jan Pfetsch von der TU Berlin hat Jugendliche zum Cybermobbing befragt.

von Ulrike Von Leszcynski

FRAGE: Wie verbreitet ist Cybermobbing?
PFETSCH: Fast alle Jugendlichen, die wir befragten, haben über Erfahrungen aus dem letzen halben Jahr berichtet. Entweder waren sie selbst davon betroffen oder aber Freunde.

FRAGE: Wie äußert sich Cybermobbing?
PFETSCH: Es gab anonyme Telefonanrufe, in denen Jugendliche beschimpft wurden. Dazu kamen beleidigende Nachrichten im Internet, beispielsweise auf der Pinnwand eines sozialen Netzwerks. Es gab auch Filme, die online gestellt wurden. Sie zeigen Jugendliche, die in unangenehmen Situationen gefilmt zum Gespött des Internets werden. Auffällig ist eine sexualisierte Sprache. Mädchen werden als „Schlampe“ beschimpft, Jungen als „schwul“. Die Online-Welt verschränkt sich immer mehr mit der realen Welt. Wird auf dem Schulhof gestritten, geht das später online weiter – und umgekehrt.“

FRAGE: Begreifen Jugendliche diese Form des Mobbings als Problem?
PFETSCH: Nur teilweise. Wenn sie Beleidigungen im Internet sehen und das Opfer nicht kennen, sagen viele: Ist mir egal. Nicht jedes Schweigen bedeutet dabei aber Zustimmung. Wenn Freunde oder Bekannte betroffen sind, hat das eine stärkere Wirkung. Speziell wenn klar ist, dass niemand weiß, wer dahintersteckt. Das ist eine beunruhigende Situation. Darunter leiden Jugendliche.

FRAGE: Wie verhalten sie sich dann?
PFETSCH: Wenn es um Freunde geht, nehmen sie meist Stellung und reagieren. Manche trösten das Opfer. Andere haben Kommentare wie „nicht cool“ geschrieben. Manche haben auch versucht, den Täter in der realen Welt zu finden und ihn gebeten, das zu lassen. Andere aber haben mitgemacht, weil sie das lustig fanden. Sie haben den Link weiterverschickt oder mit Häme noch einen draufgesetzt.

FRAGE: Mit wem sprechen Jugendliche über Mobbing-Attacken?
PFETSCH: Zuallererst immer mit ihren Freunden. Der Schritt, Erwachsene anzusprechen, folgt im Nachhinein und auch eher selten.

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FRAGE: Was wünschen sich Jugendliche, um sich besser wehren zu können?
PFETSCH: Man kann beleidigende Inhalte bei Internet-Betreibern melden. Da wünschen sich Jugendliche, dass dieses Melden einfacher funktioniert und auch schnell eine Reaktion erfolgt.






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