31. Januar 2012


Oldenburg hat die bessere Infrastruktur

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Norbert Finster BILD: Bundeswehr  Bild vergrößern

Generalleutnant Norbert Finster, 60, leitet die Arbeitsgruppe zum Stationierungskonzept der Bundeswehr.

von Christoph Kiefer

FRAGE: Der geplante Umzug des Stabs der 1. Panzerdivision nach Oldenburg löst in Hannover Kritik aus. Die Entscheidung sei unverständlich, heißt es. Was waren die Gründe für die Verlagerung?
FINSTER: Die Reform hat insgesamt die Aufgabe, die Bundeswehr schlagkräftiger zu machen. Das Verteidigungsministerium hat im Rahmen der Neuausrichtung verschiedene Optionen geprüft. Im Ergebnis bleibt die Divisionsebene im Heer erhalten unter Beibehaltung der Nummerierung – letzteres auch aus Traditionsgründen. Dabei werden die Divisionen nach der Reform nicht mehr das sein, was sie vorher waren. Die Stäbe werden auch nicht verlagert; sie werden bei der Reform neu aufgestellt. Dass dies im Fall der 1. Panzerdivision nicht mehr in Hannover, sondern in Oldenburg geschieht, hat mehrere Gründe. Der Stab hatte bislang 330 Mann und war in Hannover schon auf zwei Standorte verteilt. Künftig umfasst der Stab 570 Mann. In Oldenburg gibt es mit der Henning-von-Treschkow-Kaserne eine deutlich günstigere Infrastruktur. In Hannover hätten wir die erst schaffen müssen.

FRAGE: Waren bei den Standortentscheidungen ausschließlich sachliche Gründe maßgebend, oder gab es auch politische Überlegungen?
FINSTER: Die Kriterien, nach denen über die künftigen Standorte der Bundeswehr entschieden wurde, sind Funktionalität, Kosten, Attraktivität und Präsenz in der Fläche. Für Oldenburg war das Kriterium Funktionalität ganz wichtig. Die neuen Stäbe haben umfangreichere Aufgaben. In Oldenburg sind die Voraussetzungen hierfür günstig – unter anderem wegen des Abzugs der Luftlandebrigade 31.

FRAGE: Welchen Einfluss auf die Standortentscheidungen hatte es, wenn sich Abgeordnete oder Bürgermeister für ihre Städte engagiert haben?
FINSTER: Lobbyarbeit ist kein Kriterium, das wir herangezogen haben. Natürlich ist es sehr erfreulich, wenn Lokalpolitiker für ihre Standorte kämpfen – das zeigt, dass die Bundeswehr akzeptiert und geschätzt wird. Aber das fließt nicht in die Entscheidung ein.

FRAGE: Sind die Proteste gegen einen Truppenabzug an anderen Standorten ähnlich stark wie in Hannover?
FINSTER: Es gibt in den Kommunen unterschiedlich intensive Diskussionen. Insgesamt ist das verständlich, weil es auch um Menschen und ihr Umfeld geht. Daher ist in Hannover die Entscheidung ein großes Thema. Das akzeptiere ich natürlich.

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