22. Februar 2012


Ölpreis müsste deutlich niedriger sein

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Claudia Kemfert BILD: dpa  Bild vergrößern

Die Oldenburgerin Professorin Claudia Kemfert ist Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaft.

von Gunars Reichenbachs

FRAGE: Frau Kemfert, die Spritpreise erreichen wieder mal schwindelerregende Rekordhöhen: Sind die Zocker an den Börsen oder die Griechen schuld?
KEMFERT: Der Ölpreis ist im Moment sehr hoch wegen der schwierigen Situation mit dem Iran – eines der wichtigsten Ölförderländer der Welt. Zweitens gibt es im Winter eine hohe Nachfrage nach Heizöl, die den Preis treibt, und drittens ist der Dollar stark. Wir zahlen einfach mehr für ein Fass Öl. Und: Die Investoren suchen Anlagen für ihr Geld. Es gibt weltweit genug Geld, und Rohstoffe sind ein beliebtes Anlageobjekt.

FRAGE: Welche Preis-Entwicklung erwarten Sie?
KEMFERT: Dreh- und Angelpunkt wird die Entwicklung der Lage im Iran sein. Wir haben ausreichend Öl auf dem internationalen Markt. Es gibt keine Knappheit. Aufgrund der schwieriger werdenden wirtschaftlichen Lage erwarten wir keine boomende Nachfrage. So etwas wirkt im Prinzip entspannend. Der Ölpreis müsste somit eigentlich deutlich niedriger sein. Es dominiert die Sorge vor möglichen Angebotsengpässen, sollte die Lage mit dem Iran eskalieren.

FRAGE: Um wie viel niedriger müsste der Ölpreis sein?
KEMFERT: Der Ölpreis könnte niedriger sein, weil es keine physische Knappheit gibt: Die Nachfrage ist entspannt, das Angebot ist da. Welche Sorgen man vor möglichen Engpässen aktuell in den Ölpreis einpreist, ist empirisch schwer zu messen.

FRAGE: Was kann die Bundesregierung tun?
KEMFERT: Der Staat hat die Aufgabe, nachhaltige Mobilität für die Bürger bezahlbar zu machen. Hier geht es darum, Alternativen zu finden und an den Markt zu bringen. Sowohl alternative Antriebsstoffe wie auch -techniken. Das kann Bio-Kraftstoff sein oder Erdgas oder mehr Elektromobilität sowie die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Wichtig wäre, dass wir wegkommen vom Benzin. Denn das Öl wird in Zukunft nicht dauerhaft billiger werden.

FRAGE: Aber die Energiewende stockt. Wem geben Sie dafür den Schwarzen Peter?
KEMFERT: Ich würde niemandem den Schwarzen Peter geben. Wichtig ist, die verschiedenen Interessen zu vereinen – dazu gehört im Übrigen auch der Bau- und Verkehrsminister, der erhebliche Beiträge zur Gebäudesanierung und Mobilität leisten muss. Hier darf es eben nicht um Schuldzuweisungen gehen, sondern um die rasche Umsetzung der Energiewende.

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