Büchsenwurf macht Geschichte
Fußball 1971 wurde Roberto Boninsegna in Gladbach von Cola-Dose getroffen
Während Roberto Boninsegna (auf großem Bild verdeckt am Boden sowie kleines Bild) behandelt wird, versucht Gladbachs Günter Netzer (Mitte hinten) für Ruhe zu sorgen. BILDer: Archiv 
von Christoph Leuchtenberg
Köln - Die meistberüchtigten 40 Gramm Weißblech der Fußball-Geschichte feiern ihren runden Geburtstag im niederländischen Exil. Jene Getränkedose, die vor 40 Jahren, am 20. Oktober 1971, am Schädel von Roberto Boninsegna landete und damit eines der größten Europacup-Spiele einer deutschen Elf zum Treppenwitz der Sportgeschichte machte, steht im Museum von Vitesse Arnheim. Blitzeblank poliert wirkt sie fast neu. So als sei es gestern gewesen, als Borussia Mönchengladbach Italiens Starclub Inter Mailand demütigte – und letztlich verlor.
Die Geschehnisse an jenem Mittwochabend auf dem Bökelberg gehören zum kulturellen Erbe des deutschen Fußballs. Europapokal der Landesmeister, Achtelfinal-Hinspiel: Die Fohlen mit Günter Netzer, Berti Vogts und Jupp Heynckes auf dem Höhepunkt ihres Schaffens gegen Inters Starensemble um Sandro Mazzola.
Jupp Heynckes traf früh zum 1:0, Boninsegna glich noch einmal aus, danach spielte sich Gladbach in einen Rausch: 5:1 zur Halbzeit, 7:1 nach 90 Minuten. Die Torschützen: zweimal Günter Netzer, zweimal Heynckes, zweimal Ulrik Le Fevre, einmal Klaus-Dieter Sieloff.
Es wäre die perfekte Demütigung gewesen. Wäre, wohlgemerkt, denn schließlich gab es da jene 28. Spielminute, die Fußballgeschichte schreiben sollte. Aus dem Gladbacher Fan-Block segelte eine leere rote Getränkedose in Richtung Feld und landete am Kopfs Boninsegnas.
Der Inter-Stürmer nutze die Gunst der Stunde, um geistesgegenwärtig noch an Ort und Stelle mit unfassbarer Schauspielkunst zu Boden zu sinken. Er wurde vom Feld getragen, verfiel angeblich in eine 15-minütige Ohnmacht. Später schlossen sich die Inter-Betreuer mit dem Opfer in der Kabine ein.
Da half auch nicht, dass selbst der niederländische Schiedsrichter Jef Dorpmans den Spieler Boninsegna für einen Simulanten hielt: „Ich bin zwar nicht selbst zu ihm gegangen, er stellte sich ja tot, aber ich weiß genau, er hatte nichts“, sagt der 86-Jährige. Boninsegna (67) streitet jeden Anflug von Simulation weiter ab. Beim 0:0 im Wiederholungsspiel in Berlin am 1. Dezember, das Inter wegen des 4:2-Sieges im Rückspiel (3. November) ins Viertelfinale brachte, wurde Boninsegna endgültig zum Feindbild: Er trat Luggi Müller Schien- und Wadenbein durch.
Der Werfer wurde bislang nicht gefasst. Das Corpus Delicti schnappte sich Schiedsrichter Dorpmans. Die Dose landete für 27 Jahre in einem Koffer in Dorpmans Arnheimer Wohnung. Schließlich erhielt das Vitesse-Museum das legendenumwobene Stück als Schenkung. Trotz aller Bemühungen ist sie noch nicht wieder zurück in Mönchengladbach.
- Am Yachthafen von Monte Carlo spürt Kimi Räikkönen seine Hassliebe zur Formel 1 besonders intensiv. Für atemberaubende Fahrgefühle wie in den Häuserschluchten von Monaco ist der kühle Finne nach zwei Jahren in die Königsklasse zurückgekehrt.mehr
- Mal zwickt der Knöchel, mal tut der Rücken weh. Man kommt halt in die Jahre, auch als Berufs-Torjäger. Aber die Wehwehchen, die Miroslav Klose (33) während der EM-Vorbereitung immer wieder mal zu einer Trainingspause zwingen, können den Optimismus des WM-Torschützenkönigs von 2006 hinsichtlich der Fußball-EM in seinem Geburtsland Polen und der Ukraine (8.mehr
- Ganz hinten ist schon einmal alles geklärt. Vier Torhüter und fünf Innenverteidiger stehen nach einer ungewöhnlichen Transfer-Offensive zur Mitte dieser Woche im Profikader von Werder Bremen. Die Problemzone des Fußball-Bundesligisten liegt indes weiter vorne: Zwei neue Stürmer muss Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem Verlust von Claudio Pizarro noch suchen.mehr
- Nächste Nachspielzeit am Grünen Tisch: Fast drei Wochen nach dem letzten Spieltag in der Fußball-Bundesliga soll das DFB-Bundesgericht an diesem Freitag (12.30 Uhr) über die skandalöse Relegationsbegegnung von Düsseldorf entscheiden.mehr
- Jenny Mensing hat die Erfolgswelle der deutschen Schwimmer mit einem Jubiläumssieg fortgesetzt. Über 100 Meter Rücken holte die Wiesbadenerin die insgesamt 250. deutsche Goldmedaille bei Europameisterschaften seit 1926.mehr


