BERLIN, 11. Februar 2012


Statt Dopinggeständnis gibt Ullrich laue Erklärung ab

Radsport Ex-Profi bestätigt lediglich „Kontakt“ zu Fuentes und zieht Schlussstrich – Heftige Kritik


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Sieht sich als Opfer: Ex-Radprofi Jan Ullrich BILD: dpa  Bild vergrößern

von Manuel Schwarz

Berlin - Wachsweiche Erklärung statt knallhartes Dopinggeständnis: Jan Ullrich hat die Erwartungen an eine umfangreiche Beichte enttäuscht. Einen „Kontakt“ zum mutmaßlichen spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes räumte der ehemalige deutsche Radprofi zwar ein, dazu „immens großen“ öffentlichen Druck – mehr aber auch nicht. Vielmehr stellte der 38-Jährige, der 2007 zurückgetreten war, sich als Opfer dar.

In der seit Monaten angekündigten Stellungnahme hatte Ullrich zwölf Stunden nach dem CAS-Schuldspruch in der Nacht zu Freitag eingeräumt: „Ich ziehe hiermit einen Schlussstrich.“ Er verriet in dem Statement aber keine Details der Besuche bei Fuentes. Diese hatten den Internationalen Sportgerichtshof CAS am Donnerstag veranlasst, Ullrich zu einer Zweijahressperre und einer Annullierung aller Resultate ab Mai 2005 zu verurteilen.

Doping-Jäger Werner Franke, der selbst jahrelang gegen Ullrich prozessiert hatte, hält die Ausführungen für „substanzlos“ und den „lächerlichen Versuch, einen Deckel auf die Affäre zu tun“. Das frühere Rad-Idol habe es versäumt, durch die Wahrheit Licht in die Affäre zu bringen. „Ich sehe das nach wie vor als völlig unzureichend an“, sagte Franke am Freitag.

Ähnlich urteilt Fritz Sörgel, der darauf hinwies, dass in der Erklärung Ullrichs kein einziges Mal das Wort Doping vorkommt. „Er hat jahrelang gedopt. Sich jetzt mit einem Sorry zu verabschieden, ist natürlich relativ wenig“, befand der Nürnberger Pharmakologe.

Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), kritisierte Ullrich heftig: „Diese Erklärung war absolut enttäuschend. Jan Ullrich hat die allerletzte Chance verpasst, einen Rest von Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, weil er es versäumt hat, reinen Tisch zu machen.“

Was genau bei Fuentes geschah, verriet der gebürtige Rostocker auch jetzt nicht, dafür aber kryptisch und unpräzise seine Beweggründe für eine Zusammenarbeit mit dem Mediziner. „Alle wollten einen zweiten Toursieg, besonders nach dem Rücktritt von Lance Armstrong.“

Als die Affäre kurz vor der Tour de France 2006 aufgeflogen war, wurde Ullrich von seinem T-Mobile-Rennstall aus dem Kader geworfen. „Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung, den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden“, behauptete Ullrich. Seine Anwälte hätten ihn überredet, zu dem Thema zu schweigen.

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Auch ab jetzt will Ullrich nur noch über seine Zukunft sprechen. Öffentliche Äußerungen zum dunklen Abschnitt seiner Laufbahn gibt es nicht mehr. „Das Kapitel meiner aktiven Radsportkarriere ist endgültig abgeschlossen“, teilte er mit. Eine Rückkehr in den aktiven Profiradsport sei für ihn ohnehin nie infrage gekommen.






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