Huck legt sich mit schweren Jungs an
Boxen 27-Jähriger kämpft Sonnabend erstmals im Schwergewicht – Duell gegen Powetkin um WM-Gürtel
von Hauke Richters
Oldenburg - Wer Box-Weltmeister werden will, muss sich zunächst mit der Fußball-Bundesliga herumschlagen. Und so sind die Ränge in der Oldenburger EWE-Arena am frühen Abend des 1. Oktober 2005 nur spärlich besetzt, als der russische Schwergewichtler Alexander Powetkin zu seinem erst dritten Profikampf seiner Karriere den Ring betritt. Denn am Nachmittag dieses Sonnabends hat Werder Bremen mit 2:1 bei Hertha BSC gewonnen und ist damit vorübergehend auf Rang zwei hinter Bayern München vorgerückt. Und da der Hauptkampf der Veranstaltung zwischen dem russischen Schwergewichtler Nikolai Walujew und dem Amerikaner Larry Donald erst am späten Abend stattfinden wird, schaut im Nordwesten so mancher Sportinteressierte mit Boxkarten eben erst daheim die ARD-Sportschau, ehe er sich in die Arena aufmacht. Entsprechend schwach ist das Vorprogramm besucht. Powetkin besiegt übrigens den Amerikaner John Castle durch Technischen K.o. in der ersten Runde.
2005 hat Powetkin durchaus schon einen Namen, 2004 war er Olympiasieger geworden. Nach dem Wechsel zu den Profis – er steht damals wie heute beim Berliner Sauerland-Stall unter Vertrag – muss aber auch er die übliche Tour absolvieren. Und die sieht vor, dass Neulinge sich über das Vorprogramm zu den wichtigen Duellen am späten Abend vorkämpfen müssen.
ARD baut Huck mit auf
Auch Marco Huck ist diesen Weg gegangen, und auch seiner führte über Oldenburg. Dreimal stand er bei Kampfabenden seines Arbeitgebers Sauerland bislang in der Arena bzw. in der Weser-Ems-Halle im Ring, zuletzt 2010. Und als er an eben jenem 1. Mai 2010 in Oldenburg als WBO-Weltmeister im Cruisergewicht (bis 90,7 kg) den Amerikaner Brian Minto ins Krankenhaus prügelte, tat er das live in der ARD. Denn den Sprung vom Vor- ins Hauptprogramm hat der 27-jährige Berliner Huck geschafft.
Der 32-jährige Russe Powetkin ist dagegen trotz großer Erfolge noch immer selten live im Fernsehen zu beobachten. Dem Sauerland-Team fällt es eben schwer, bei Kampfabenden in Deutschland dem TV-Publikum zur besten Sendezeit via ARD einen ausländischen Boxer als große Attraktion zu verkaufen. Die ukrainischen Klitschko-Brüder, die sich selbst vermarkten und deren Kämpfe RTL überträgt, bilden da die Ausnahme. Huck wiederum, dessen Familie aus Bosnien stammt, ist seit 2009 deutscher Staatsbürger.
An diesem Sonnabend kämpfen Huck und Powetkin in Stuttgart um den WM-Titel des Verbandes WBA im Schwergewicht (ab 90,7 kg). Für Huck ist es der erste Auftritt in dieser Klasse, alle vorherigen Kämpfe hat er im Cruisergewicht bestritten. Diesen Wechsel sehen die Sauerland-Chefs ungern. Von seinem Wunsch, eine Gewichtsklasse aufzusteigen, ließ sich Huck aber nicht abbringen. Sollte er den Favoriten Powetkin besiegen, wäre er der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling (hielt den Titel von 1930 bis 1932). Zudem ist es nach knapp sieben Jahren das erste Mal, dass ein deutscher Kämpfer in der höchsten Gewichtsklasse nach einem WM-Titel greift. Zuletzt hatte dies 2005 Luan Krasniqi versucht und dabei gegen WBO-Champion Lamon Brewster (USA) verloren.
Klitschko weggelobt
Wie so häufig im Boxen wird aber auch an diesem Sonnabend der Titel „Weltmeister“ arg strapaziert. Denn eigentlich hält Wladimir Klitschko den entsprechenden Gürtel der WBA. Er ist aber auch Champion der Verbände IBF und WBO. Das sagt zwar etwas über Klitschkos Qualitäten aus, blockiert die Verbände aber untereinander. Denn schließlich möchte jeder mit seinem Weltmeister Geld verdienen. Da Klitschko aber nicht die Wünsche jedes betroffenen Verbandes erfüllen kann, hat die WBA ihn inzwischen zum „Super-Champion“ gekürt. Powetkin firmiert seit 2011 als normaler Weltmeister der WBA und verteidigt den Titel nun im stallinternen Duell gegen Huck.
Mit der Bundesliga müssen sich Huck und Powetkin am Sonnabend allerdings wieder auseinandersetzen. Die ARD beginnt mit der Box-Übertragung um 22.15 Uhr, der Kampf wird aber kaum vor 23 Uhr beginnen. Das ZDF sendet ab 23 Uhr im „Aktuellen Sportstudio“ eine Zusammenfassung des Abends zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Nürnberg.
M
- Als die Europäische Fußball-Union Uefa 2007 die EM 2012 an Polen und die Ukraine vergab, war der Hintergedanke, die riesige Veranstaltung würde vor allem in der Ex-Sowjetrepublik einen Modernisierungsschub auslösen – doch diese Hoffnungen haben sich nach Meinung vieler Ukrainer nicht erfüllt.mehr
- Die EWE Baskets haben einen weiteren Spieler für die neue Saison unter Vertrag genommen. Am Dienstag gab der Basketball-Bundesligist bekannt, dass Dominik Bahiense de Mello ein weiteres Jahr in Oldenburg spielen wird.mehr
- Fußball-Bundesligist Werder Bremen hat auf den Abschied seines langjährigen Stammtorhüters Tim Wiese reagiert und Raphael Wolf als Ersatz verpflichtet. Der 23-jährige Deutsche spielte zuletzt in Österreich beim Bundesliga-Absteiger SV Kapfenberg und erhält nach Werder-Angaben einen Dreijahresvertrag bis 2015.mehr
- Der deutsche Basketball-Meister Baskets Bamberg stürmt dem Titel-Hattrick scheinbar unaufhaltsam entgegen. Die phasenweise haushoch überlegenen Franken gewannen auch das zweite Halbfinale bei den Artland Dragons Quakenbrück und sicherten sich durch das 81:71 (48:34) den ersten Matchball in der Serie, in der drei Siege zum Weiterkommen nötig sind.mehr
- Drei Tage nach dem „Drama dahoam“ war Bayern München zwar im Kopf noch „total leer“, aber zumindest verletzte sich im überflüssigsten Spiel des Jahres nicht noch einer der Fußball-Nationalspieler.mehr



