Vom Heftpflaster bis zum Geldschein
Spezialharze Lösungen der Rasteder Robert Kraemer GmbH in vielen Produkten – 100-jähriges Bestehen
Führen die Geschäfte: Werner Sarfert (links) und Udo Müller vor dem Porträt von Gründer Robert Kraemer. Bild: Kraemer 
von Jörg Schürmeyer
Rastede - Wenn Fußbodenbeläge gut haften, Heftpflaster kleben, Autos glänzen oder Zeitungsbuchstaben nicht abfärben, dann liegt das mit großer Wahrscheinlichkeit auch zu einem gewissen Teil an der Firma Robert Kraemer. Das Unternehmen aus Rastede/Hahn-Lehmden entwickelt Spezialharze, die sich in zahlreichen Produkten des täglichen Gebrauchs finden. Egal ob Geldschein, Hochglanzprospekt oder Zahn-Plombe – „ein bisschen Kraemer“ finde sich fast überall, sagt Geschäftsführer Udo Müller. In diesen Tagen feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen.
Gegründet wurde die Robert Kraemer GmbH & Co. KG 1912 als Handelshaus in Bremen. Der Kaufmann Robert Kraemer handelte damals unter anderem mit Milch und Honig, aber auch mit Wolle und Spielzeug. 1938 stieg das Unternehmen in Deutschland zum größten Importeur von Kolophonium, einem gelben bis braunschwarzen Baumharz, das etwa aus China, Brasilien oder Portugal importiert wird, auf.
„Kolophonium ist bis heute unser Aushängeschild“, sagt Müller, der gemeinsam mit Werner Sarfert die Geschäfte führt. Rund zwei Drittel der Produkte, die das Rasteder Unternehmen entwickelt, seinen kolophoniumbasiert.
In den 1950er-Jahren gründete Kraemer die Lackharzwerke, begann mit der industriellen Produktion von Kolophonium basierenden Harzen und legte den Grundstein für das heutige Stammwerk in Rastede-Hahn. Zu Beginn der 90er-Jahre richtete das Unternehmen den Fokus ganz auf Spezialharze. 2003 schloss das Unternehmen sein Zweigwerk in Delmenhorst und bündelte seine Produktions- und Entwicklungsaktivitäten in Rastede. „Es machte keinen Sinn, an zwei Standorten die gleichen Produkte zu produzieren“, sagt Müller.
Heute beschäftigt die Robert Kraemer GmbH 56 Mitarbeiter, darunter neun Auszubildende, und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 13 Millionen Euro. Allein ein Fünftel der Mitarbeiter ist in der eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung tätig, die ständig an weiteren Verwendungsmöglichkeiten der nachwachsenden Rohstoffen forscht. „Bis jetzt konnten wir noch jede Anfrage relativ schnell umsetzen“, sagt Müller.
Einen Schlüssel dazu sieht er vor allem auch in der Belegschaft selbst. „Die Mitarbeiter sind für uns schon immer das wichtigste Kapital gewesen“, betont Müller. Neben vielen jungen Beschäftigten und einem hohen Ausbildungsanteil setzt Kraemer auch verstärkt auf erfahrene und langjährige Mitarbeiter. Ein Drittel der Belegschaft ist über 50 Jahre alt. „Wer bei Kraemer einmal klebt, der bleibt auch kleben“, sagt Müller.
Überhaupt wird Kontinuität bei dem Unternehmen, das sich im Werbefilm zum 100-jährigen Bestehen als „norddeutsch-bescheiden“ bezeichnet, großgeschrieben. Schon seit 1991 führen Wolfgang Schlicht und Dr. Jürgen Wolters als private Eigentümer die Robert Kraemer GmbH.
Für die Zukunft sehen sich die Rasteder gut positioniert. „Wir haben den Vorteil, dass wir breit aufgestellt sind“, sagt Müller. Schließlich entwickelt Kraemer Lösungen für die Druckfarben-, Klebstoff- und Lackindustrie ebenso wie Spezialanwendungen, die bei Folienbeschichtungen, Straßenmarkierungsmassen oder beim Unterbodenschutz zum Einsatz kommen, und beliefert Kunden weltweit. Selbst während der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 bis 2010 konnte man bei Robert Kraemer auf Kurzarbeit verzichten. Und überhaupt: „Wer 100 Jahre alt ist und schon Weltkriege überstanden hat, der lässt sich sicherlich nicht von den aktuellen Krisenmeldungen verrückt machen“, sagt Müller und schmunzelt.
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