KöLN, 7. Oktober 2011


Finanzplanung ist nicht nur Männersache

Geldanlage Viele Frauen zeigen wenig Interesse – Beratung kann helfen


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Geld ist ein Thema für die ganze Familie. BILD: dpa  Bild vergrößern

dpa

Köln - Die Zeiten, in denen der Mann das Geld verdient und die Frau sich um Kinder und Küche kümmert, sind vorbei. Die Frau von heute macht Karriere und kümmert sich um die Familie. Doch beim Thema Finanzen hört die Emanzipation oft auf. Es sei noch immer so, dass Frauen schlicht kein Interesse an dem Thema haben, hat Heide Härtel-Hermann vom Frauenfinanzdienst in Köln beobachtet. „Für Frauen zählt die Geldanlage nicht zu den Hobbys.“ Während manche Männer gerne die jüngste Entwicklung von Aktienkursen diskutieren, ist Geldanlage für Frauen vielfach bestenfalls eine lästige Pflicht.


Trendwende
„Viele Frauen gehen zu zögerlich und voller Unlust an das Thema Finanzen heran“, sagt Constantze Hintze von Svea Kuschel und Kollegen, einer Finanzdienstleistungsgesellschaft speziell für Frauen mit Sitz in München. „Die meisten machen sich zwar durchaus Sorgen, wovon sie im Alter leben sollen. Aber sie verdrängen das dann.“ Die einen meinen, es sei schon zu spät. Die anderen verließen sich zu stark auf den Ehemann oder Partner.

Allerdings beobachtet Hintze auch eine Trendwende. „Frauen sind grundsätzlich mutiger und offener geworden und verfügen über mehr eigenes Geld, mit dem sie sehr selbstbewusst umgehen.“ Zum anderen habe die Finanzbranche eine neue Zielgruppe entdeckt. Reine Frauenprodukte lehnt sie aber ab. „Das ist Marketing pur.“ Frauen bräuchten keine anderen Produkte, sondern eine andere Beratung.

„Frauen wollen so beraten werden, dass sie merken, dass es um sie geht“, bestätigt Härtel-Hermann. Eine Umfrage des Frauenfinanzdienstes habe jüngst gezeigt, Frauen seien weniger an einzelnen Produkten oder der Rendite interessiert, sondern mehr an einem persönlichen Finanzkonzept.

Zwar gebe es nicht „die Frau“ und „den Mann“, dennoch stellt Hintze Unterschiede zwischen den Geschlechtern fest. Während bei Männern die Rendite im Vordergrund stehe und diese sich eher von bunten Charts und Fachterminologie beeindrucken ließen, legten Frauen Wert auf Sicherheit und das Gefühl, einen Schritt für ihre finanzielle Unabhängigkeit getan zu haben.

Stefanie Kühn, unabhängige Finanzplanerin aus Grafing, will Frauen den nötigen Denkanstoß geben, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. In ihrem Ratgeber erklärt sie, worauf sie in Sachen Finanzen besonders achten müssen. Eine Scheidungsrate von über 40 Prozent und die höhere Lebenserwartung von Frauen zeige, dass keine Frau umhin kommt, sich mit Finanzen zu beschäftigen.


Früher anfangen zu sparen
„Man muss den Frauen klarmachen, was es bedeutet, jahrelang aus dem Beruf auszusteigen“, sagt Kühn. Babypause, Elternzeit, Halbtagsjob mindern die Rente. Ergo: Frauen müssen früher anfangen zu sparen und mehr Geld beiseite legen als Männer in einer vergleichbaren Situation. Ist dieses Bewusstsein erst einmal geschaffen, seien Frauen sehr willig, etwas an sich zu ändern. Kühn: „Die fangen dann an, mit ihren Männern zu diskutieren, dass sie auch Geld auf ihren Namen anlegen oder aber mehr arbeiten.“

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Hintze hält es für wichtig, dass Frauen einen Finanzberater haben, der erfahren mit den typischen Lebenssituationen einer Frau ist. „Frau sein“ sei zwar keine Qualitätsgarantie, aber es sei schon hilfreich, die gleichen Erfahrungen, Wünsche und Probleme zu haben wie die Mandantinnen.






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