Mit Sachwerten Inflation gegensteuern
Interview Die Bankhaus-Fortmann-Chefs Blomenkamp und Saak über Anlage in unsicheren Zeiten
von Rüdiger Zu Klampen
FRAGE: Herr Dr. Blomenkamp, Herr Saak, stimmt es eigentlich, dass ungewöhnlich viele Kunden in diesen Monaten relativ große Beträge mehr oder weniger ungenutzt auf dem Konto liegen haben?
BLOMENKAMP: Ja, das ist so. Es ist in diesen Zeiten nicht so einfach, sich für renditeträchtige Anlagen zu entscheiden. Aber mit der richtigen persönlichen Beratung finden sich auch jetzt sinnvolle und attraktive Möglichkeiten.
FRAGE: Warum sind die Kunden zurückhaltend?
BLOMENKAMP: Die Renditen für klassische und relativ sichere Anlagen – wie etwa Bundesanleihen – sind extrem niedrig, mit einer Eins oder Null vor dem Komma. Alternativen sind den Kunden vielfach wenig bekannt, oder der Anleger traut sich nicht ohne Weiteres an andere Anlageformen und damit neue Risiko-Klassen heran.
FRAGE: Und was bedeutet das?
SAAK: Es gibt Zinsanlagen, bei denen es real zu einer schleichenden Entwertung des Vermögens kommt, wenn man die Inflationsrate und die Abgeltungsteuer mit einrechnet. Diesen Effekt unterschätzen viele Menschen. Das kann aber die ursprünglichen Pläne, etwa bei der Altersvorsorge, erheblich durchkreuzen.
FRAGE: Was ist zu tun?
BLOMENKAMP: Das ist eine Herausforderung – und hängt von den eigenen Zielen im jeweiligen Lebensabschnitt ab. Es gilt dabei immer Chancen und Risiken abzuwägen. Im Prinzip sollte es nach unserer Einschätzung bei den Anlegern immer darum gehen, das zur Verfügung stehende Kapital breit zu streuen. Ein solcher Ansatz kann zum Beispiel Immobilien, Aktien, Gold und weitere Rohstoffe einbeziehen. Auch Unternehmensbeteiligungen abseits der Börse sind für Privatanleger heute ein Weg. Dies sind Sachwertanlagen, die sich einer Geldentwertung durch Inflation entgegenstellen.
FRAGE: Beginnen wir mit Aktien. Wie sehen Sie die weiteren Aussichten für Titel aus dem Deutschen Aktienindex DAX?
SAAK: Grundsätzlich nicht schlecht. Den Unternehmen geht es gut, die Dividenden sind relativ hoch. Im Jahresverlauf können wir uns durchaus einen DAX-Stand von 7000 Punkten vorstellen. Das wäre dann immerhin ein Plus von zehn Prozent. Aber es lauern gegenwärtig auch erhebliche Risiken, etwa aus den Refinanzierungsengpässen einiger Staaten und den Problemen mancher Banken.
FRAGE: Mancher hat so viel Angst, dass er nur noch dem Gold vertraut, oder?
SAAK: Der große Ansturm, bei dem am Schalter Gold gekauft wurde, ist aber vorbei. Dennoch wünschen viele Kunden weiterhin einen gewissen Gold-Anteil im Depot – als physisches Material oder Fonds, Aktie oder Zertifikat. Man muss sich nur klarmachen, dass es immer wieder erhebliche Kursschwankungen geben kann. Diese Risiken gilt es zu beachten.
FRAGE: Immobilien scheinen ja der große Renner zu sein. Auch bei Ihnen?
BLOMENKAMP: Immobilien sind für viele „das Gold aus Beton“. Sie entsprechen den Vorstellungen vieler Kunden von einem soliden Sachwert wohl am ehesten. Allerdings sind Immobilien oft schon recht teuer. Will man mit einer Immobilieninvestition eine bestimmte Rendite erzielen, muss man vor dem Kauf sehr genau rechnen. Dabei dürfen natürlich die Risiken und Nachteile einer solchen Investition nicht aus dem Blickfeld geraten. Obwohl die Preise auch in Oldenburg hoch liegen, sind wir grundsätzlich zuversichtlich für den Oldenburger Markt. Die Stadt wird sich weiter gut entwickeln – und in einigen Gegenden steht der wachsenden Nachfrage nur ein sehr begrenztes Angebot gegenüber. Zudem ist auch der überregionale Immobilienmarkt interessant, denn auch bei Immobilien gilt es zu streuen und breiter aufgestellt zu sein, beispielsweise in Form von Beteiligungen an seriösen Immobilienprojekten.
FRAGE: Wie geht es mit dem Euro-Kurs weiter? Das ist ja auch wichtig für Anleger, die zum Beispiel im Dollarraum investieren.
SAAK: Aus den USA kommen zurzeit einige positive Konjunktur-Signale. So gesehen ist der schwache Wechselkurs des Euro, der von offenen Fragen zur Schuldenkrise belastet wird, auch durch die Stärke des Dollars bedingt. Wir erwarten vorerst eher einen noch etwas schwächeren Eurokurs.
FRAGE: Wie kommen Kunden eigentlich insgesamt mit der unübersichtlichen aktuellen Situation klar?
BLOMENKAMP: Die Schwankungen werden bleiben. Mit diesem permanenten Spannungsfeld muss man klarkommen, wenn man zumindest eine minimale Rendite erzielen will. Gute, individuelle Beratung ist dabei ein wichtiger Faktor. Hier haben wir uns für dieses Jahr einen Schwerpunkt gesetzt: Wir möchten unsere Kunden überzeugen, dass man auch in diesen finanzmarktkritischen Zeiten gute, sinnvolle Produkte effektiv nutzen kann, um die Vermögensverwaltung und -sicherung strategisch geschickt zu planen.
FRAGE: Wie hat sich durch die Finanzkrise eigentlich das Verhältnis zu den Kunden entwickelt?
SAAK: Es ist durch die teils skandalösen Vorgänge in der Branche allgemein viel Vertrauen der Kunden in Finanzinstitute verspielt worden. Das müssen auch wir in unserer täglichen Arbeit wieder festigen und unsere Kunden weiterhin davon überzeugen, dass wir genau die richtige Bank für sie oder ihn sind. Denn ohne Vertrauen funktioniert es nicht.
FRAGE: Nehmen eigentlich mehr Kunden die Kapitalanlage in die eigene Hand?
BLOMENKAMP: Ja, es gibt einen Kundenkreis, der sich mit der Informationsflut selbst auseinandersetzt und die richtigen Schlüsse zieht. Aber Informationen zum Kapitalmarkt und den Anlageprodukten zu haben, ist nicht alles. In der Breite geht es weiterhin darum, mit den Kunden gemeinsam in der Beratung den Gesamtblick zu haben und individuelle strategische Konzepte zu entwickeln. Man muss den Kunden zuhören, und die Anleger sollten verstehen, wie ihr Geld investiert wird.


