DINKLAGE, 3. Dezember 2010


„Es gibt eine Kehrseite des Wachstums“

Vortrag Zukunftsforscher Miegel sieht Grenzen – Volksbanken Weser-Ems erfolgreich


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Gute Stimmung (v.l.): Ludger Preun (stv. Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems/AGVR; Verbandsdirektor Rainer Backenköhler; Lambert Meyer, Vorstandsvorsitzender der AGVR; Prof. Meinhard Miegel; Verbandsdirektor Georg Litmathe, AGVR-Geschäftsführer Harald Lesch BILD: AGVR  Bild vergrößern

von Rüdiger Zu Klampen

Dinklage - Das Wirtschaftswachstum wird ausbleiben, und für immer mehr Deutsche wird der materielle Wohlstand in den nächsten Jahrzehnten abnehmen. Um Frustration zu vermeiden, solle man sich am besten schon jetzt darauf einstellen, meinte der Zukunftsforscher Professor Meinhard Miegel am Mittwochabend bei einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems in Dinklage (Kreis Vechta).

Konkret riet Miegel dazu, sich mehr mit „immaterieller Wohlstandsmehrung“ zu befassen. Schon seit Jahrzehnten habe das Wirtschaftswachstum nicht mehr zu einer höheren Zufriedenheit der Bevölkerung geführt.

Grund für den erwarteten Abriss des Trends der permanenten wirtschaftlichen Expansion in Deutschland sei u.a. die hungrige Bevölkerung in den Schwellenländern, die ihren Teil vom globalen Wohlstandskuchen fordere und auch bekommen werde, erläuterte der Forscher. Deutschland mit seiner schrumpfenden und alternden Bevölkerung müsse extrem innovativ sein, um diesen Prozess nicht noch zu beschleunigen.

Zudem seien selbst geringe Wachstumsraten nicht durchzuhalten, weil sie binnen weniger Jahrzehnte auf eine Verdoppelung der Wirtschaftsleistung und damit auf extreme Belastung der Umwelt hinauslaufen würden und immer mehr Kraft zur Behebung von Schäden nötig werde, so Miegel. Es gebe eine „Kehrseite des Wachstums“.

Miegel schlug vor, zunächst die allgemeine Vergeudung zurückzufahren, dann den „Statuskonsum“, der ebenfalls nicht nötig sei. Man solle „das wertschätzen, was wir haben“ und sich mit Qualitäten wie bewusstem Leben, den Sinnen und Zeit befassen. Miegel: „Wohlstand ist breiter angelegt als materiell“. Für 40 Prozent der Bevölkerung habe es bereits seit 20 Jahren keine materielle Wohlstandsmehrung mehr gegeben. „Dieser Anteil wird wachsen.“

Der Vorstandsvorsitzende der Banken-Arbeitsgemeinschaft, Lambert Meyer (Volksbank Jever), wies auf das starke Wachstum der Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems hin. Die Kredite seien 2010 bisher kräftig ausgeweitet worden: um 13 Prozent für Firmenkunden, 19 Prozent für Landwirte und 64 Prozent für erneuerbare Energien.

Die Banken stünden im Bundesvergleich auch beim Ertrag sehr gut da. Das Genossenschaftsmodell sei in Weser-Ems sehr erfolgreich umgesetzt worden. Vor der Finanzkrise sei man wie die Sparkassen teils belächelt worden. Doch es habe sich gezeigt, dass diese Geschäftsmodelle auf Dauer tragfähig seien.

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