Größere Auswahl dank kleiner Versorger
Energie Wettbewerb nimmt zu – Auch im Nordwesten drängen immer mehr regionale Anbieter auf Markt
Anziehende Preise verstärken den Wettbewerb beim Gas: Auch immer mehr kleine, regionale Anbieter drängen auf den Markt. BILD: dpa 
von Jörg Schürmeyer
Bremen - Bei Horst Redeker steht das Telefon in diesen Tagen nicht still. „Rund 30 bis 40 Anfragen erreichen uns zurzeit pro Tag“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Energiegenossenschaft Nordwest (EGNW) aus Garbsen. Die Energiegenossenschaft, vor vier Jahren von 200 Bürgern in Delmenhorst gegründet, profitiert von der Bewegung, die seit einiger Zeit am deutschen Strom- und Gasmarkt eingesetzt hat: Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt.
Auswahl aus 41 Anbietern
Dabei sorgen nicht nur bundesweit agierende Mittelständler oder Tochterunternehmen etablierter Versorger für eine größere Auswahl. Auch immer mehr regionale Energiegenossenschaften oder kommunale Anbieter machen den Platzhirschen Kunden streitig. Bei der EGNW ist allein im Jahr 2010 die Zahl der Mitglieder von 300 auf rund 1250 angewachsen. Vor allem im Versorgungsgebiet der Oldenburger EWE habe es zuletzt „viel Bewegung“ gegeben, so Redeker.
„Während viele etablierte Händler unter Druck geraten, freuen sich die Verbraucher darüber, dass sie nun endlich auch ihren Gasanbieter wechseln können“, bilanziert die Bundesnetzagentur. Nach einer Erhebung des Vergleichsportals Toptarif können Haushalte derzeit im bundesweiten Durchschnitt unter 41 Gasanbietern wählen. Vor einem Jahr waren es gerade einmal 19. „Allerdings hat bisher nur ein kleiner Teil der Haushaltskunden die Chancen des Wettbewerbs wahrgenommen und neue oder angepasste Verträge für die Gasbelieferung abgeschlossen“, so die Agentur.
Mit dem Ziel, hieran etwas zu ändern, ist auch die Bremer Energiehaus Genossenschaft auf den Plan getreten. Ursprünglich entstanden als Bremer Gaspreisinitiative, ist die Genossenschaft Anfang 2009 auch in die Belieferung von Bürgern mit Erdgas eingestiegen. „Wir wollen preiswert Energie anbieten, Profitmaximierung steht nicht im Vordergrund“, sagt Michael Großer, Vorstand der Genossenschaft. Und sollte am Ende doch etwas Geld übrig bleiben wie im vergangenen Jahr, werde es den Mitgliedern rückvergütet. „Mehr als 4000 Versorgungseinheiten“ (Großer) beliefert die Genossenschaft im Raum Bremen, im Oldenburger Land und in Ostfriesland mittlerweile mit Gas und Strom – Tendenz steigend.
Das Konzept der Energiegenossenschaften ist dabei stets ähnlich. Wer Gas- oder Stromkunde werden will, muss einen einmaligen Beitrag, 120 Euro bei der EGNW, 100 Euro bei Energiehaus, zahlen, wovon ein Großteil als Genossenschaftsanteil ins Grundkapital einfließt.
Am Energiemarkt selbst treten die kleinen Genossenschaften dann ähnlich auf wie die großen Versorger. „Wir kaufen selber an der Börse Erdgas ein“, sagt Großer. Um größere Mengen noch günstiger einkaufen zu können, gebe es überdies Pläne, einen bundesweiten Einkaufsverband zu gründen, so Redeker. Dank schlanker Strukturen und geringer Verwaltungskosten sei man allerdings schon jetzt vielfach günstiger als die etablierten Versorger. Allerdings kämpfen auch die kleinen regionalen Versorger zuweilen mit ähnlichen Problemen wie Energieriesen. So erhöht etwa auch die EGNW mit Verweis auf die EEG-Umlage für Erneuerbare Energien den Strompreis zum 1. Februar.
Heimische Windkraft
Einen etwas anderen Weg geht die Friesenenergie GmbH. Im März 2010 wurde in der Gemeinde Wangerland die Idee geboren, selbst als Energieversorger aufzutreten. Am 1. Juli stieg die als Wangerländer Gemeindetochter neu gegründete Friesenenergie GmbH in den Vertrieb von Ökostrom, vor allem aus heimischen Windkraftanlagen, ein. Seit 1. November wird auch Gas angeboten.
„Unser Ziel war, bis zum Jahresende 400 Kunden zu gewinnen – das haben wir geschafft“, sagt Geschäftsführer Manfred Meinen. Tatsächlich hat der kommunale Energieversorger nach eigenen Angaben bereits 1090 Kunden. „Wir haben mit unserem Konzept, hochwertigen Ökostrom zu günstigen Preisen anzubieten und dabei regional zu agieren, einen Nerv getroffen“, meint Geschäftsführerin Gitta Heitmann. 2011 soll nicht nur der Kundenstamm ausgeweitet werden, sondern auch die Pläne für einen Bürgerwindpark vorangetrieben werden. Auch im Wangerland ist die Hoffnung groß, dass die Telefone in den nächsten Monaten nicht stillstehen werden.
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