Bremer Reederei Beluga stellt Insolvenz-Antrag
Reederei Nur Charterbereich betroffen – Stolberg sechs Stunden beim Staatsanwalt
Schwerer Gang: Unternehmensgründer Niels Stolberg (rechts) und sein Anwalt Hanns Feigen auf dem Weg zur Vernehmung bei der Bremer Staatsanwaltschaft. BILD: ddp 
von Jörg Schürmeyer
Bremen - Die in finanzielle Schieflage geratene Bremer Reederei Beluga hat für ihr Kerngeschäft die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Wie das Unternehmen mitteilte, sei am Mittwoch beim Amtsgericht Bremen ein Antrag für die Beluga Chartering GmbH gestellt worden. Die Muttergesellschaft, die Beluga Group, und andere Tochtergesellschaften (u.a. die Bereiche Offshore und „Education“/Bildung) seien nicht betroffen.
Der Insolvenzantrag sei „Folge der Aufdeckung von erheblichen Unregelmäßigkeiten im Hinblick auf Umsatz und Liquidität“, teilte Beluga-Sprecher Klaus-Karl Becker mit. Juristische Berater des Unternehmens hätten zu diesem Schritt geraten, sagte er weiter. Im Charterbereich, der mit der Befrachtung von Schiffen das Kerngeschäft von Beluga betrifft, seien mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht den Bremer Rechtsanwalt Edgar Grönda.
Verdacht des Betrugs
Unterdessen wurde der beurlaubte Beluga-Gründer Niels Stolberg von der Staatsanwaltschaft Bremen vernommen. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts des schweren Betrugs und Bilanzfälschung gegen den 50-Jährigen und weitere Ex-Manager des Unternehmens.
Nach dem rund sechs Stunden dauernden Termin bei der Staatsanwaltschaft sagte Stolberg auf Nachfrage der wartenden Reporter: „Mein Unternehmen, die Beluga Shipping, ist heute in die Insolvenz gedrückt worden. Das ist ein ganz bitterer Tag.“ Auf die Frage, wie es weitergehen soll, sagte er: „Wir warten jetzt erstmal ab.“
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Mit Blick auf die Zukunft des Unternehmens teilten sowohl Beluga als auch eine Sprecherin des US-Finanzinvestors Oaktree auf Anfrage mit, dass es weiterhin „konstruktive Gespräche“ mit den wichtigsten Teilhabern gebe. Der Hedgefonds Oaktree hält derzeit 49,5 Prozent an Beluga und hat das Management der Reederei übernommen.
Skeptisch äußerte sich dagegen der Bremer Bundestagsabgeordnete Torsten Staffeldt. „Mit Beluga Chartering bricht dem Unternehmen das Kerngeschäft weg“, sagte der FDP-Politiker. „Es ist zu befürchten, dass es bei Beluga zu einem Dominoeffekt kommt, der auch das übrige Unternehmen mitreißt.“ Wichtig sei es jetzt, dass das Unternehmen bei einem anstehenden Insolvenzverfahren erhalten bleibe.
Frachter abgezogen
Die Situation hatte sich verschärft, nachdem mehrere Schiffsfonds – wie berichtet – ihre an Beluga vercharterten Frachter abgezogen hatten. U.a. hatten die Hamburger HCI und die Oltmann-Gruppe aus Leer angekündigt, sich nach Alternativen umzusehen und ihre Verträge mit Beluga gekündigt. „Es geht darum, die Interessen der Anleger zu schützen“, sagte HCI-Sprecher Olaf Streuer. Einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge haben etwa 50 der 55 gecharterten Frachter mittlerweile Beluga verlassen. Damit bleiben der Reederei, bis vor kurzem noch Weltmarktführer für Schwergut und Projektfracht, nur noch gut 20 Schiffe.
„Für tausende Anleger, die ihr Geld in Schiffsfonds der Beluga Reederei investiert haben, könnte die Änderung des Charterers zu empfindlichen Einbußen führen“, teilte die Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht KWAG in Bremen mit. Angesichts der Entwicklung der vergangenen Tage stelle sich nunmehr die Frage, „ob die Reederei überhaupt noch zu retten ist“, so KWAG. „Ohne Schiffe keine Einnahmen.“
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