BERLIN, 30. März 2011


Nach Atomdesaster Ökostrom gefragt

Energie Lichtblick schließt dreimal so viele Verträge ab – Auch EWE Naturwatt spürt steigende Nachfrage


Bild

Ökostrom-Anbieter (im Bild Greenpeace Energy) spüren eine steigende Nachfrage. BILD: dpa  Bild vergrößern

Verbraucherportale beobachten einen längerfristigen Trend. Der Gesamtanteil ist aber immer noch recht niedrig.

Berlin - Nach der Atomkatastrophe in Japan und neuen Zweifeln an der Sicherheit der Kernenergie reißen sich die Verbraucher um Ökostrom aus alternativen Energiequellen. Die auf solche Tarife spezialisierten Anbieter, aber auch klassische Energieversorger stellen einen drastischen Anstieg der Kundenzahlen fest. Das ergab eine Umfrage. Unklar bleibt, ob auch die Preise für Ökostrom in nächster Zeit anziehen werden.

„Im aktuellen Umfeld sind die Nachfragen deutlich gestiegen“, erklärte Deutschlands größter Energiekonzern Eon, der auch Atomkraftwerke betreibt, in München. Der Anteil der Kunden mit Ökostrom-Tarifen liege aber erst im einstelligen Prozentbereich. Auch für die kommenden Monate sei mit hohem Interesse zu rechnen.

„Wir spüren das Interesse der Kunden an unseren Ökostromprodukten“, sagte auch ein Sprecher der Oldenburger EWE auf Anfrage. „Neben einem allgemein steigenden Bewusstsein für Energiethemen führen dabei aktuell sicherlich auch die katastrophalen Ereignisse in Japan dazu, dass Verbraucher Umweltaspekte stärker berücksichtigen.“ Die EWE-Ökostrom-Tochter Naturwatt beliefere aktuell rund 30 000 Kunden. Seit Mitte 2010 sei die Zahl der Naturwatt-Kunden um knapp 25 Prozent gestiegen.

Beim nach eigenen Angaben größten deutschen Ökostromanbieter, dem unabhängigen Hamburger Unternehmen Lichtblick, wurden in den vergangenen beiden Wochen rund 800 Neuverträge täglich abgeschlossen, etwa dreimal so viele wie vor den Ereignissen in Japan. Lichtblick hat bereits mehr als eine halbe Million Kunden.

„Das Restrisiko hat plötzlich leider eine ganz konkrete Bedeutung bekommen – das wird nicht so leicht aus dem Bewusstsein verschwinden“, sagt Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth. Japan habe „das Fass zum Überlaufen“ gebracht, heißt es bei Naturstrom in Düsseldorf. Ein weiterer reiner Ökostrom-Anbieter, die Genossenschaft Greenpeace Energy, berichtet von einer Verachtfachung der Kundenzahl seit Beginn der Nuklear-Katastrophe.

Bei den konventionellen Energieversorgern fällt das Interesse der Kunden gemischt aus. Anders als Eon sieht die deutsche Nummer zwei RWE bei seinen Haushaltskunden keinen „signifikanten Anstieg“ der Nachfrage nach Ökostrom. Bisher liegt der Anteil des entsprechenden Tarifs auch erst im Promillebereich – nur 1300 von insgesamt 3,5 Millionen Kunden haben ihn gebucht.

Einen längerfristigen Anstieg der Nachfrage beobachtet das Verbraucherportal toptarif.de: 2008 entschieden sich nur 10 Prozent der Verbraucher, die über das Portal ihren Stromanbieter wechselten, für Ökostrom – 2009 waren es 20 Prozent, 2010 dann gut 30 Prozent, und seit Fukushima 65 Prozent, so eine Sprecherin.

ANZEIGE






WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Kontakte knüpfen für die Karriere

23.05.2012 - Im Hörsaalzentrum der Universität Oldenburg reiht sich ein Infostand an den anderen: 40 Unternehmen aus dem Nordwesten – von A wie Aleo Solar AG bis T wie Trent gGmbH – zeigen auf der Firmenkontaktmesse „Career Day“ (Karriere Tag) potenziellen Mitarbeitern, was sie zu bieten haben.mehr

OECD lobt Deutschland und warnt Euro-Zone

23.05.2012 - Die Schuldenkrise hat die Euro-Zone in eine neue Rezession gerissen. Sie bedroht nach Einschätzung der OECD auch die eigentlich hervorragenden Konjunkturaussichten für Deutschland. Der Spar- und Reformprozess sei in den meisten Staaten gerade erst angelaufen und durch schwach wachsende oder gar sinkende Wirtschaftsleistungen geprägt, schreiben die Experten der Industriestaatenorganisation.mehr

Ein „Geuro“ für Griechenland?

23.05.2012 - Griechenland steht am Abgrund. Eine stabile Regierung ist nicht in Sicht, die Euro-Partner fürchten um den mit Rettungsmilliarden erkauften Sparkurs. Einen Rauswurf der Griechen aus der gemeinsamen Währung sehen die geltenden europäischen Verträge nicht vor.mehr

Facebook verliert viele Freunde

23.05.2012 - Der Facebook-Börsengang wird zum Milliardengrab für Anleger: Der Kurs ist am dritten Handelstag weiter um annähernd 9 Prozent auf 31 Dollar eingebrochen. Ein Anleger, der zum Ausgabepreis von 38 Dollar gekauft hatte, verlor somit bis zum späten Dienstag 18 Prozent seines Geldes.mehr

Ölpreise treiben Heizkosten

23.05.2012 - Obwohl die deutschen Haushalte dank des milden Winters durchschnittlich 18 Prozent weniger Energie zum Heizen gebraucht haben, ist eine warme Wohnung 2011 teurer geworden. So seien die Heizkosten für Häuser mit Ölheizung um fünf Prozent gestiegen, ergab der am Dienstag veröffentlichte Heizspiegel 2012 von CO2online und dem Deutschen Mieterbund.mehr

Anzeige
Umfrage

Steigt Fortuna Düsseldorf nach den Ausschreitungen beim Relegationsspiel zu Recht in die Fußball-Bundesliga auf?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
27 °C
12 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat