OLDENBURG, 13. April 2011


„Zukunft liegt in erneuerbaren Energien“

Bilanz EWE mit zahlreichen Projekten – 2010 erster Verlust der Geschichte – Bald Gaspreiserhöhung


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EWE-Bilanz für 2010 vorgelegt (von links): Dr. Willem Schoeber, Dr. Werner Brinker (Vorstandsvorsitzender), Michael Wagener BILD: EWE  Bild vergrößern

Der Oldenburger Versorger ist „nicht glücklich“ mit dem Jahresergebnis. Der Gaspreis-Streit soll abgehakt werden.

von Rüdiger Zu Klampen

Oldenburg - Der Oldenburger EWE-Konzern möchte den jahrelangen Streit um Gaspreiserhöhungen jetzt „so schnell wie möglich beenden“ und sich ganz auf sein Stammgeschäft, Zukunftsmärkte sowie Lösungen in Problemsparten konzentrieren. Das wurde am Dienstag bei der Bilanzvorlage für 2010 deutlich. So sei damit begonnen worden, neue Strom- und Gaskunden auch jenseits der bisherigen Grenzen des Geschäftsgebietes zu werben, erläuterte Vorstandsvorsitzender Dr. Werner Brinker. Im ersten Quartal seien dies allein 10 000 beim Strom gewesen. Damit könne man Kündigungen durch bisherige Kunden „vielleicht sogar überkompensieren“.


Zweiter Offshore-Windpark
Weitere wichtige Themen werden laut Vorstandsangeben 2011 u.a. die Planungen für den nach „Alpha Ventus“ zweiten EWE-Offshore-Windpark „Riffgat“ (im deutsch niederländischen See-Grenzgebiet), die intelligente Inte-gration und Speicherung des ständig zunehmenden Stroms aus erneuerbaren Energien sowie der Ausbau der Gasspeicher in Jemgum und der Telekommunikationsinfrastruktur sein.

„Die Zukunft liegt in den erneuerbaren Energien mit Ergänzung durch Gas“, sagte Vorstandsmitglied Willem Schoeber im Hinblick auf die Planungen für ein neues Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (445 MW) in Bremen. Mit dem Projekt, das eine Grundauslastung durch den Großkunden Deutsche Bahn bekommen werde, könnten Schwankungen bei den Windkraft-Einspeisungen ausgeglichen werden. Das Interesse an einer Beteiligung an dem Kraftwerk habe in der Branche seit dem Atomunglück in Japan „deutlich zugenommen“.

Eine Baustelle sind vorerst Teile des Bereichs I+K/Neue Märkte. Das Türkei-Geschäft und auch der Telekommunikationsanbieter EWE Tel fuhren 2010 einen Betriebsverlust ein, der nur durch den „sehr positiven Ergebnisbeitrag“ des Informationstechnik-Spezialisten BTC auf 155 Millionen Euro begrenzt werden konnte. In der Türkei wurden Abschreibungen fällig. Dort wüchsen Kundenzahl und Betriebsgewinn aber sehr dynamisch, sagte Schoeber. Es gebe gute „Perspektiven“.

Den nicht genau bezifferten Verlust bei EWE Tel begründete Brinker mit erheblichen Vorleistungen für ein Großprojekt zur Verbindung von 2100 Landes-Liegenschaften. Brinker deutete an, dass es bei dem – nach starkem Wachstum restrukturierten – Unternehmen Personalabbau über die natürliche Fluktuation hinaus geben dürfte. Weiterhin sind hohe Investitionen in den Netzausbau geplant.

Unterm Strich wurde vom EWE-Konzern 2010 ein Verlust von 50,7 Millionen Euro eingefahren – nach 199,4 Millionen Euro Gewinn 2010. Diesen ersten Verlust in der EWE-Geschichte begründete Brinker – wie bereits berichtet – u.a. mit dem Einsatz von 100 Millionen Euro für eine Teilrückzahlung im Gaspreisstreit, einer verspäteten Gaspreiserhöhung, schwierigen Beschaffungsmärkten und Abschreibungen auf Beteiligungen. Dies sei „kein Ergebnis, mit dem wir glücklich sind“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Michael Wagener. Man werde konsequent an einer Verbesserung arbeiten.

Brinker kündigte mit Verweis auf die Verteuerungen an den Öl-und Gasmärkten eine Gaspreiserhöhung an. Termin und Umfang wurden noch nicht genannt.

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Harter Wettbewerb
Generell habe sich der Wettbewerb deutlich verschärft, berichtete Brinker. Seit Marktöffnung hätten etwa 12 Prozent der Strom- und zehn Prozent der Gaskunden von EWE den Anbieter gewechselt. Im Bundesdurchschnitt seien es deutlich höhere 22 und zwölf Prozent. Es falle auf, dass immer mehr kleine Anbieter am Markt erschienen.

Die bundesweit tätige Ökostrom-Tochter Naturwatt (mit je fünf Prozent Anteil der Stadtwerke Emden und Stadtwerke Norden) erlebe zurzeit sehr starken Zuwachs. Sie habe bereits 30 000 direkte Kunden sowie weitere 100 000 über Partnergesellschaften, berichtete Brinker.






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