BRüSSEL, 26. Januar 2012


Deutscher Post droht Milliardenstrafe

Wettbewerb EU fordert Rückzahlung von Beihilfen – Konzern will klagen


Bild

Frostiges Klima: Die Deutsche Post streitet mit der EU um Beihilfen. BILD: ddp  Bild vergrößern

dpa

Brüssel - Die Deutsche Post soll nach dem Willen der EU-Kommission ungerechtfertigte Beihilfen von bis zu einer Milliarde Euro an den Staat zurückzahlen. Im Kern geht es um Subventionen für Pensionskosten, verbunden mit hohen regulierten Preisen. Deutschland müsse deshalb zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro von dem Bonner Konzern einfordern, entschied die Kommission am Mittwoch in Brüssel.

Die Post will gegen den Beschluss klagen. Dies sei auch mit der Bundesregierung abgestimmt, hieß es.

„Die Rückzahlungsentscheidung der EU-Kommission ist nicht nachvollziehbar und entbehrt jeglicher Grundlage“, erklärte Post-Vorstandschef Frank Appel. Sie stehe außerdem im Widerspruch zu einer früheren EU-Entscheidung und Ergebnissen ähnlicher Verfahren.

Das Wirtschaftsministerium betonte, die Bundesregierung werde ungeachtet einer möglichen Anfechtung vor europäischen Gerichten der Kommissionsforderung nachkommen und die Beihilfen von der Deutschen Post AG zurückverlangen. Für die Umsetzung ist das Finanzministerium zuständig.

Das Unternehmen gab sich zuversichtlich, dass die Entscheidung vor Gericht keinen Bestand haben werde. Die Wettbewerbshüter stellten auch fest, dass Ausgleichszahlungen von 5,6 Milliarden Euro an die Post mit EU-Regeln übereinstimmten und deshalb gerechtfertigt seien.

Bei den umstrittenen Beihilfen von 1995 an geht es um Zahlungen für die Pensionslasten für Beamte, die der frühere Staatskonzern bei seiner Privatisierung übernommen hatte. Um die Post zu entlasten, steuerte der deutsche Staat viele Milliarden Euro bei.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia verteidigte das Vorgehen: „Unser Ziel ist es, Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern.“ Die Post habe nicht nur staatliche Beihilfen erhalten, sondern auch mit höherem Briefporto ihre Kosten gedeckt, begründete die Kommission den Beschluss. Damit habe sie von Sozialleistungen profitiert, die unter den entsprechenden Werten von Konkurrenten lagen. Das könnte Nachteile für Wettbewerber nach sich gezogen haben.

ANZEIGE




 

Leserkommentare (0)



WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
„Öffentliche“ mit weiterem guten Jahr

23.02.2012 - Immer mehr Unternehmen in der Region gewähren Mitarbeitern einen Zuschuss zu ihrer betrieblichen Altersvorsorge. Solche Zuzahlungen zu (den sonst oft nur vom Lohn gespeisten) Verträgen würden zunehmend zum „Instrument, um gute Mitarbeiter zu binden“, sagte Horst Schreiber, Vorstandsmitglied der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg.mehr

Ruf nach mehr Pendlerpauschale

23.02.2012 - Trotz Rekordpreisen an der Tankstelle will die Bundesregierung die Portemonnaies der Autofahrer nicht durch eine höhere Pendlerpauschale entlasten. „Eine Überprüfung ist im Augenblick bei uns nicht angedacht“, sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwoch in Berlin.mehr

Monstertrucks oder Ökolastwagen?

23.02.2012 - Es gibt keinen symbolischen Knopfdruck und keine Zeremonie. Unspektakulär rollt auf deutschen Straßen gerade ein Versuch mit Riesenlastwagen an. Seit dem Neujahrstag gibt es von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) grünes Licht für Transporter, die bis zu 6,50 Meter länger sein dürfen als bisher erlaubt – jedoch nur auf bestimmten Strecken.mehr

Streik am Flughafen ausgesetzt

23.02.2012 - Reisende am Frankfurter Flughafen können aufatmen: Der Streik der Vorfelddienste ist nach fünf Tagen vorerst beendet. Die Betreibergesellschaft Fraport und die Gewerkschaft der Flugsicherung (Gdf) vereinbarten am Mittwoch überraschend die Rückkehr an den Verhandlungstisch.mehr

Handwerk im Land zufrieden

23.02.2012 - Die Handwerksbetriebe in Niedersachsen sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden. Eine Umfrage des Niedersächsischen Handwerkstages (NHT) hat ergeben, dass mehr als 90 Prozent der befragten Betriebe ihre Lage als „gut“ oder „befriedigend“ bezeichnen.mehr

Anzeige
Umfrage

Ist Joachim Gauck der richtige Nachfolger im Amt des Bundespräsidenten?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
11 °C
9 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat