Tourismus wichtiger als Banken
Studie Branche sichert 2,9 Millionen Arbeitsplätze – Bedeutender Wirtschaftsfaktor
Der Tourismus (im Bild japanische Urlauber in Frankfurt) ist ein bedeutender Wirtschaftsfakto BILD: dpa 
von Burkhard Fraune
Berlin - Der Tourismus in Deutschland ist aus Sicht der Bundesregierung ein unterschätzter Wirtschaftsfaktor. Mit einem direkten Anteil von 4,4 Prozent an der Bruttowertschöpfung übertreffe die Branche Banken und Autohersteller, sagte der Tourismusbeauftragte der Regierung, Ernst Burgbacher (FDP), am Freitag in Berlin. Er verwies auf eine Studie der Beratungsgesellschaft DIW Econ, einer Tochter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Nach der Untersuchung sind 2,9 Millionen Menschen direkt im Tourismus beschäftigt, weitere 2 Millionen Menschen lebten von Vorleistungen für das Gastgewerbe oder von dem Geld, das die Tourismus-Beschäftigten ausgeben – damit hinge fast jeder achte Arbeitsplatz vom Tourismus ab. „Der Tourismus ist ein ökonomisches Schwergewicht“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Burgbacher.
Nach der Untersuchung liegt der Anteil der Kraftfahrzeugbauer an der Bruttowertschöpfung bei 2,3 Prozent, der Anteil der Finanzdienstleister bei 3,8 Prozent und der Anteil des Baugewerbes bei 4,3 Prozent. Die Bruttowertschöpfung gibt den Gesamtwert der produzierten Waren und Dienstleistungen an, aber ohne Vorleistungen – wie etwa Komponenten in der Autoindustrie und Logistikleistungen im Tourismus.
Nach der Studie haben Geschäftsreisende und Urlauber im Jahr 2010 Güter und Dienstleistungen im Gesamtwert von fast 278 Milliarden Euro konsumiert. Ein Löwenanteil von 87 Prozent der Konsumausgaben entfiel dabei auf einheimische deutsche Touristen.
Der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Studie liegen laut DIW Befragungen von Reisenden zu ihrem Konsumverhalten zugrunde. Ausgehend von der festgestellten Nachfrage habe man Einkommens- und Beschäftigungswirkung des Tourismus ermittelt.
Die Grünen sprachen von beeindruckenden Zahlen, kritisierten aber die „Beweihräucherung der Bundesregierung“. „Die vor Ort ansässige Bevölkerung profitiert kaum“, teilte der Tourismuspolitiker Markus Tressel mit. „Nur 36 von 100 investierten Euro bleiben in der Region.“
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