Infrastruktur – oft nötig und umstritten
1x1 Der Wirtschaft Diskussion beim IÖB zeigt Standpunkte auf – Zahlreiche Projekte im Nordwesten
Nach der Einführung diskutierten (von links): Hartmut Schwerdtfeger (BLG), Professor Ulrich Scheele (ARSU), Katrin Eggert (IÖB), Felix Jahn (Oldenburgische IHK), Michael Koch und Professor Hans Kaminski BILD: Lukas Lehmann 
Oldenburg - Infrastruktur wie etwa Verkehrsanbindungen werden von Staat und Wirtschaft als wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung gesehen. Doch vor Ort stoßen die Projekte oft auf Widerstand – auch in der Region. Das wurde bei einer Diskussion aus der Reihe „1x1 der Wirtschaft“ des Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) und der Wirtschaftsbildungsinitiative Wigy am Donnerstagabend deutlich.
IÖB-Direktor Professor Hans Kaminski, Initiator der Reihe, erläuterte die Bedeutung von Infrastrukturen für einen Wirtschaftsstandort und wies auf verbreitete Haltungen hin wie: „Natürlich brauchen wir Autobahnen, einen Tiefwasserhafen mit Anbindung und Windkraftanlagen – aber nicht hier“.
Oft erkenne man zwar Probleme, etwa beim Verkehr, wolle die Lösung aber nicht im eigenen Hinterhof. Kaminski sprach von einem „speziellen Verhältnis der Deutschen zur Infrastruktur“.
Aus Angstgefühlen heraus entwickelten sich immer mehr „Wutbürger“, die vehement gegen Wandel vorgingen, der ihre eigene persönliche Situation verschlechtern könnte. Die Gesellschaft befinde sich in einem Dilemma, meinte Kaminski. Fehlende Kooperationen der Teilnehmer führten dazu, dass gesellschaftliche Ergebnisse weniger vorteilhaft seien.
In der von Michael Koch (IÖB) moderierten Veranstaltung, die laut IÖB-Geschäftsführerin Katrin Eggert wie üblich „erklären“ wollte, betonte Hartmut Schwerdtfeger (BLG Group/Bremen): „Das Interesse der Bürger, gegen irgendetwas zu protestieren, ist gestiegen – und ihre Methoden werden immer härter.“ Zugleich sprach er sich für Projekte wie den Container-Bahnverkehr von Wilhelmshaven (durch Oldenburg) aufgrund ihres wirtschaftlichen Nutzens aus.
Wirtschaftswachstum sei ohne Verkehrswachstum nicht möglich – diese These vertrat der Geschäftsführer Standortpolitik und International der IHK Oldenburg, Felix Jahn. Er forderte mehr Akzeptanz der Bürger für bereits genehmigte Projekte. Der rechtsstaatliche Gedanke müsse wieder mehr in den Vordergrund rücken.
Einig waren sich die drei Podiumsteilnehmer, dass die Kommunikation der Investoren gegenüber Bürgern transparenter sein müsse. „Die Bürger sollten mehr in die Diskussionen einbezogen werden, um die privaten und öffentlichen Interessen besser in Einklang zu bringen“, sagte Professor Ulrich Scheele, Gesellschafter der Oldenburger Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung GmbH (ARSU).


