HOYKENKAMP, 9. September 2011


Gräben bleiben unüberbrückbar

Stadtumfahrung Kein Konsens in Sicht – Bürger von Gemeinde enttäuscht


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„Viel Vergnügen“ wünschte Hinnerk Twietmeyer (rechts) den mehr als 200 Teilnehmern der Informationsveranstaltung – wohl wissend, dass das strittige Thema wenig Raum für Spaß bot. BILD: Karsten Kolloge  Bild vergrößern

Im Streit von Delmenhorst und Ganderkesee über die „richtige Linie“ in Sachen B 212neu ist eine gemeinsame Lösung nicht in Sicht. Bürger sind enttäuscht.

von Karsten Kolloge

Hoykenkamp - „Sie konnten zusammen nicht kommen.“ – Was im Volkslied für die Königskinder galt, stellten maßlos enttäuschte Zuhörer am Mittwochabend auch bei den „Lagern“ in Sachen B 212neu/Stadtumgehung fest: Unüberbrückbar schien das Wasser. Hier die Seite aus etlichen Bürgern, der IG B 212 und Delmenhorst, die zum Kampf blasen und ein neues Raumordnungsverfahren für die ungeliebte Bundesstraße fordern – da die Gemeinde Ganderkesee, die die Würfel für gefallen hält und bei der Umgehung auf das geringere Übel hofft (eine Trasse östlich von Delmenhorst).


Betroffenheit dargestellt
Aber von Anfang an. Mehr als 200 Interessierte waren zu der Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft (IG) B 212 und der drei Ortsvereine aus Heide/Schönemoor/Hoykenkamp in die Gaststätte Menkens gekommen. Anhand von Google-Earth-Aufnahmen zeigten die IG-Sprecher Uwe Kroll und Martin Clausen zunächst fast metergenau, wo die sechs Trassenvarianten verlaufen, die die Landesverkehrsbehörde zurzeit auf eine Eignung als Umgehungsstraße von Delmenhorst prüft.

Mehrfach ging bei dieser Präsentation ein Raunen durch den Saal. Teils wurden Trassenvorschläge von Anwesenden mit Kopfschütteln, teils mit dem Tippen gegen die Stirn kommentiert.


Verfahren neu aufrollen
All diese Trassen-Überlegungen, so warb Clausen, könnten überflüssig sein, wenn es gelinge, in einem gemeinsamen Vorgehen von Delmenhorst und Ganderkesee ein neues Raumordnungsverfahren für die B 212neu zu erreichen. An dessen Ende könne zum Beispiel die Verkehrsoptimierte Nordvariante (VoN) stehen. Der Delmenhorster OB Patrick de LaLanne pflichtete bei. „Erhebliche juristische Mängel“ habe das „alte“ Verfahren.


Mit Bremen sprechen
Doch Ganderkesees Fachbereichsleiter Peter Meyer widersprach. Das Verfahren sei abgeschlossen, dessen Festlegungen hätten Bestandskraft. Die VoN bringe Ganderkesee „leider“ nichts. Vielmehr werde die Landesverkehrsbehörde womöglich noch mehr auf eine Umgehungsstraße durch Ganderkesee drängen. Meyers Vorschlag: Wenn man gemeinsam etwas zum Nutzen von Delmenhorst und Ganderkesee tun wolle, müsse man mit Bremen sprechen, um die Verkehre dort zu belassen, wo schon Straßen sind (A 281/B 75/A 28).

Im Saal stießen solche Worte teils auf Unverständnis. In wessen Interesse Ganderkesee da überhaupt plane, ob es das Interesse der Landesverkehrsbehörde sei, fragte ein empörter Teilnehmer.

Keine Chance hatte an diesem Abend ein Kompromissvorschlag von Hans-Joachim Wallenhorst (Bürgerverein Hohenböken): Ganderkesee und Delmenhorst sollten das B 212neu-Paket wieder aufschnüren – und als alternative Streckenführung auf die Bremer Wesertrassen drängen.

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Deutliche Worte fand Landrat Frank Eger zum Thema B 212neu/Stadtumgehung Delmenhorst: „Wir sind in den letzten Wochen schlichtweg belogen worden.“ Erstens sei ein neues Raumordnungsverfahren für die B 212neu, zweitens eine ergebnisoffene Prüfung für die Trassen einer Umfahrung angekündigt worden. Beides finde offenbar nicht statt.

Die Landesverkehrsbehörde favorisiere unter den sechs denkbaren Trassen einer Stadtumgehung die Trasse „West1“ (über den Hohenborn), sagte Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas. Die anderen Trassen seien „Makulatur“, so der Landrat angesichts von Ängsten von Betroffenen.

Die Hohenborn-Trasse ziehe für Ganderkesee-Ort eine Mehrbelastung von etwa 3000 Fahrzeugen/Tag nach sich, sagte Uwe Kroll.

Gerichte werden nach Einschätzung des Landrates letztlich über die Umgehungsstraßen entscheiden. Eger rechnet damit, dass sowohl Delmenhorst als auch Ganderkesee gegen Trassen auf ihrem Gebiet klagen werden.






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