STENUM, 15. September 2011


„Westumfahrung kommt nicht in Frage“

B 212neu Info-Veranstaltung interessiert mehr als 300 Bürger – Diskussion sehr sachlich geführt


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Großes Interesse am Thema Westumfahrung: Peter Meyer, Fachbereichsleiter für Gemeindeentwicklung, erklärte den mehr als 300 BILD: Hergen Schelling  Bild vergrößern

Die Gemeinde will nicht unter den Delmenhorster Verkehrsproblemen leiden. Notfalls wird geklagt.

von Wolfgang Loest

Stenum - Otto Sackmann, stellvertretender Sprecher der Bürgerinitiative Bookholzberg, lag gar nicht so falsch: Auf der jüngsten Info-Veranstaltung der Gemeinde zum Thema „B 212neu und Entwicklungsachse“ wies er darauf hin, dass gar keine neue Trasse zwischen Harmenhausen und der Landesgrenze zu Bremen notwendig sei – nicht für die rund 6000 Fahrzeuge, die täglich auf der L 875 zwischen dem Oberzentrum Bremen und der nördlichen Wesermarsch verkehren. Der Bau der B 212neu sei vom Bundestag mit dem Ziel beschlossen worden, Verkehrsströme zu bündeln und die Anbindung der Unterweser-Häfen an die Hansestadt inklusive Güterverkehrszentrum zu verbessern, resümierte denn auch Joachim Delfs, Chef der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg, auf der Veranstaltung am Dienstagabend im Hotel Backenköhler in Stenum vor mehr als 300 Zuhörern.


Hohe Belastung befürchtet
Nach Verkehrsprognosen, die von zwei externen Gutachtern unabhängig voneinander entwickelt worden sind, wird die Sogwirkung sogar so groß werden, dass Delmenhorst ein Verkehrsinfarkt droht. Zwecks Entlastung wird deshalb eine Umgehungsstraße notwendig, die zunächst als „Entwicklungsachse“ ins Gespräch gebracht worden ist.

„Eine Westumgehung Delmenhorsts wird nicht nur an die 7000 Fahrzeuge pro Tag aus der Stadt nach Ganderkesee ableiten, sondern auch weiteren Verkehr anziehen“, erläuterte Peter Meyer, Fachbereichsleiter für Gemeindeentwicklung. Die sei, so Meyer, nur „schwer erträglich“.


Unterstützung vom Landrat
Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas wurde noch deutlicher: Ein Problem, das lange Zeit bekannt gewesen sei, solle kurzerhand auf die Gemeinde Ganderkesee abgeschoben werden. Auch wenn derzeit verschiedene Trassenführungen der Umgehungsstraße untersucht werden, stehe für Ganderkesee schon jetzt fest: „Wir wollen keine Westumfahrung, egal wo.“

Die Rathauschefin wiederholte ihre Ankündigung, die Gemeinde werde gegen eine solche Trassenplanung klagen – und holte auch Landrat Frank Eger mit ins Boot. „Noch mehr Verkehr wollen wir nicht. Auch unsere Bürger haben Anspruch auf Nachtruhe“, erklärte Eger und sicherte juristischen Beistand des Landkreises zu, falls der Gemeinderat „aus nachvollziehbaren Gründen“ eine Westumfahrung ablehnt.

„Wir haben den Eindruck, dass gezielt Verkehr produziert wird, damit sich für einen privaten Investor der Bau des Wesertunnels im Zuge der A 281 rechnet“, warf der Vorsitzende des Bürgervereins Hohenböken, Hans-Joachim Wallenhorst, in die insgesamt sehr sachlich geführte Diskussion ein. Delfs wollte dieses Argument nicht völlig entkräften. Die B 212neu werde sicher den Verkehrsfluss in Richtung Tunnel erhöhen, aber der Autobahnverkehr innerhalb Bremens sei weitaus ausschlaggebender.

Der Jade-Weser-Port spielt bei den Verkehrsprognosen so gut wie keine Rolle, erfuhr Hartmut Lammert vom Aktionsbündnis Prima Klima auf seine Nachfrage hin. „Aber niemand weiß, wie sich die Märkte entwickeln werden“, räumte Delfs im Nachsatz ein.

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Neues Treffen angekündigt
Anders als die Delmenhorster Politik gehen weder die Ganderkeseer Gemeindeverwaltung noch Behördenchef Delfs davon aus, dass das Raumordnungsverfahren für den letzten Abschnitt der B 212neu noch einmal neu aufgerollt wird. „Nebulöses hat sich gelichtet, aber die Sache ist nicht besser geworden“, fasste Alice Gerken-Klaas das Ergebnis der gut zweistündigen Veranstaltung zusammen. Das nächste Treffen soll im Frühjahr stattfinden. Joachim Delfs hat seine Teilnahme bereits zugesagt.






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