„Klagen über Missstände völlig zu Recht“

INTERVIEW Fachhochschulpräsident Elmar Schreiber zur Zukunft des Hochschulstandortes Oldenburg


Der Physiker ist seit 1. September im Amt. Er freut sich über ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl an der FH.

Von Thomas Hellmold

Frage: Herr Dr. Schreiber, die Studierenden haben sich zum bundesweiten „Bildungsstreik“ aufgerafft. Wie sieht’s an Ihrer Fachhochschule aus?

Schreiber: Am Donnerstag kam es – wie Sie ja auch berichtet haben – zu einer spontanen Besetzung des großen Hörsaals in Wilhelmshaven. Gemeinsam mit der Hochschulleitung wurden intensive Diskussionen geführt, und wir haben deutlich gemacht, dass wir weiterhin stets gesprächsbereit sind.

Frage: Sind die Proteste gegen unzumutbare Studienbedingungen nicht allzu berechtigt?

Schreiber: Doch, das sind sie. Über eine Vielzahl von Missständen klagen die Studenten – im übrigen ja auch die Lehrenden – völlig zu Recht. Das auf sechs Semester angelegte Bachelorstudium zum Beispiel ist zu kurz. Es ist mit zu vielen Lehreinheiten in zu knapper Zeit überfrachtet und es verlangt den Studierenden viel zu viele Einzelprüfungen ab. Kurzum: So wie es derzeit angeboten wird, ist das Bachelorstudium kaum studierbar.

Frage: Diese Erkenntnis scheint auch bei den Bildungspolitikern angekommen zu sein. Es soll Nachbesserungen geben.

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Schreiber: Ja, und was ich aus Niedersachsen gehört habe, finde ich vernünftig. Die konstruktive Forderung des Ministers, verstärkt sieben- bis achtsemestrige Bachelorstudiengänge anzubieten, unterstütze ich voll und ganz.

Frage: Sie haben die berühmten 100 Tage noch nicht ganz hinter sich. Ist der Neustart der FH nach der Defusion als gelungen zu betrachten?

Schreiber: Nach zweieinhalb Monaten ist es noch zu früh für eine erste Zwischenbilanz. Ich muss allerdings schon jetzt allen Mitarbeitern ein Riesenkompliment machen. Sie identifizieren sich mit dem neuen Konstrukt und sie sind äußerst motiviert. Und das, obwohl uns sowohl in der Lehre als auch in der Verwaltung eine Menge Stellen fehlen.

Frage: Das führt uns zum Stichwort Kooperation mit der Uni Oldenburg, die ja vom Wissenschaftsministerium ausdrücklich gewollt ist. Wie stehen Sie dazu?

Schreiber: Es gibt Bereiche, in denen eine Kooperation mit der Universität sinnvoll erscheint. In den Rechtsabteilungen, im Rechenzentrum, in den Bibliotheken und in der Personalverwaltung lassen sich sicher Schnittmengen ausmachen. Allerdings: An den Stellen, wo strategische Entscheidungen getroffen werden, müssen beide absolut autonom bleiben.

Frage: Böse Zungen behaupten, die Kooperation sei mittelfristig der Einstieg in eine Fusion von FH und Universität, wie das in Lüneburg geschehen ist. Befürchten Sie das auch für Oldenburg?

Schreiber: Absolut nicht! Da kommt von mir ein klares Nein. Wir können Lüneburg und Oldenburg nicht vergleichen. In Lüneburg war eine Fusion angesichts der geringen Größe der Hochschulen wohl nicht vermeidbar, um den Hochschulstandort zu retten. In Oldenburg haben wir viel stabilere Zahlen. Noch einmal – eine Fusion wird es hier nicht geben. Ich bin mir sicher, dass der Wissenschaftsminister dies genau so sieht.

Frage: Der Minister besteht allerdings auf einem gemeinsamen Lenkungsausschuss. Die Landtagsopposition will dagegen verfassungsrechtlich klagen. Ist die Skepsis berechtigt?

Schreiber: Ich sehe den Lenkungsausschuss nicht so negativ, wie er von vielen gesehen wird. Er kann ein konstruktives Organ sein, mit dessen Hilfe sich beide Hochschulsysteme in einigen Bereichen besser koordinieren lassen. Der Lenkungsausschuss wird aber niemals ins Kleingliedrige eingreifen. Die Ängste gehen da eindeutig zu weit.

Ein Hochschulspezial unter www.NWZonline.de/campus




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21.11.2009
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