OLDENBURG, 10. März 2010


Taxifahrer getötet: 20-Jähriger bestreitet Tat

Landgericht Micky M. gibt in Verhandlung nur Messerangriff auf Taxifahrerin zu


Zum Prozessauftakt legte der Angeklagte ein Teilgeständnis ab. Mit dem Mord am Taxifahrer will er nichts zu tun haben.

von Rainer Dehmer

Oldenburg - Der Angeklagte wirkt alles andere als zuversichtlich: Mit gesenktem Kopf und regungsloser Miene betritt Micky M. den Gerichtssaal. Der wegen Mordes an dem Oldenburger Taxifahrer Erhard P. (58) angeklagte 20-Jährige aus Lemwerder (Kreis Wesermarsch) weiß, dass die Indizien gegen ihn sprechen. Von seiner früheren Aussage weicht er trotz seiner DNA-Spuren an der Tatwaffe aber nicht ab. „Die Sache in Oldenburg bestreite ich.“

Seit Dienstag muss sich M. vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Oldenburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Erhard P. am 25. September erstochen zu haben. Einen Tag später soll er in Stuhr (Kreis Diepholz) eine 62-jährige Taxifahrerin angegriffen und durch 15 Messerstiche lebensgefährlich verletzt haben. Diese Tat wertet die Staatsanwaltschaft als versuchten Mord.

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    Den Überfall auf die Frau gab der 20-Jährige zu. Er habe damals willkürlich in Delmenhorst ein Taxi ausgesucht und sich zum ehemaligen Ikea-Gelände fahren lassen, um Geld zu rauben. Die Fahrerin will er zunächst nur bedroht haben. Als sie sich gewehrt habe, „hat bei mir der Geist ausgesetzt und ich habe auf die Frau eingestochen“.

    Die Taxifahrerin, die im Prozess ebenso wie die Witwe von Erhard P. als Nebenklägerin auftritt, schilderte einen anderen Tatablauf. „Es kam wie aus heiterem Himmel. Er hat pausenlos auf mich eingestochen.“ Der Täter sei dann mit ihrer Geldbörse (Inhalt: 230 Euro) geflohen.

    Die körperlichen Verletzungen seien zwar verheilt, bis heute ist die 62-Jährige aber laut eigener Aussage nicht mehr Taxi gefahren. Aufgrund ihrer Angstzustände befinde sie sich noch in psychologischer Behandlung.

    Der Vorsitzende Richter Dietrich Janßen empfahl dem Angeklagten, reinen Tisch zu machen, falls er auch den Taxifahrer überfallen habe. Denn die Indizien ließen diesen Schluss zu. Am Tatort fand die Polizei Kleidungsstücke des 20-jährigen und das Tatmesser mit seinen Spuren. „Ich habe keine Erklärung dafür“, antwortete M. knapp.

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    Von der Unschuld seines Mandaten zeigte sich auch Verteidiger Rüdiger Bibow nicht restlos überzeugt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass er es nicht gewesen ist, ist aufgrund der Spuren nicht sehr hoch“, sagte er der NWZ .

    Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Am Donnerstag sollen die Eltern und die frühere Freundin des Angeklagten aussagen. Bei Prozessauftakt deutete Micky M. an, dass er Geldprobleme hatte, weil er seiner Ex-Freundin wiederholt Geschenke (u.a. Schmuck) machte, um sie zurückzugewinnen.




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