Bibel von 1717 vor Verfall bewahrt
KULTURSCHATZ Von Familie auf Bauhof in Südoldenburg sorgsam aufbewahrt
VON HARTMUT KERN
Oldenburg/Neuenkirchen - Fast 300 Jahre alt ist die Bibel von einem Bauernhof in Nellinghof bei Neuenkirchen (Landkreis Vechta), der Gerit Depping in rund 80-stündiger Arbeit neuen Glanz verliehen hat. Und der Restaurator aus Münster ist sich ziemlich sicher: „Diese sogenannte Kurfürstenbibel aus dem Jahr 1717 wird es auch in 500 Jahren noch geben, wenn sie trocken, staubfrei und ohne allzu viel Sonnenlicht aufbewahrt wird“.
Unübersehbar sind auch nach der Restauration erhebliche Gebrauchs- und Abnutzungsspuren. Auf der vorderen Innenseite des Buchdeckels sind persönliche Daten zur Familiengeschichte mit Tauf- und Sterbedaten handschriftlich eingetragen, und auch die Seitenränder sind geschwärzt von der „Rauchhauszeit“ des niederdeutschen Hallenhauses.
Die Familie Schürmann hatte die Bibel über mehrere Generationen aufbewahrt. Zuletzt wurde sie nur noch selten aus einer Truhe hervorgeholt. Da entschlossen sich die drei Schwestern Ingrid, Margret und Erika sowie ihre 85-jährige Mutter Lina die Bibel vor dem Verfall zu bewahren und mit Unterstützung der Stiftung Kulturschatz Bauernhof restaurieren zu lassen.
Für Professor Dr. Uwe Meiners, Geschäftsführer der Stiftung, ist die mit Holzschnitten und Kupferstichen reich illustrierte Bibel, gedruckt von der Familie Endter in Nürnberg, ein „besonderes Spiegelbild der damaligen Verhältnisse mit dem Nebeneinander von katholischen und evangelisch-lutherischen Familien auf engem Raum“. In Zusammenarbeit mit Corinna Roeder, Direktorin der Landesbibliothek in Oldenburg, wurde die Restauration in Münster in Auftrag gegeben.
Anerkennend über die Arbeit äußerten sich Mutter und Geschwister, als sie am Mittwoch in der Landesbibliothek „ihre Familienbibel“ wieder in Empfang nahmen. Und für alle ist es kein Problem, die Bibel für Ausstellungen und wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung zu stellen.
Interview, S.14
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