Oldenburg: Eltern können sich
Tat nicht erklären
Taxifahrermord Mutter von Micky M. sagt unter Tränen im Gerichtssaal aus
Von Rainer Dehmer
Oldenburg - Bewegende Szenen im Gerichtssaal: Unter Tränen hat am Donnerstag die Mutter des wegen Mordes an dem Oldenburger Taxifahrer Erhard P. (58) angeklagten Micky M. vor dem Landgericht ausgesagt. Mit stockender Stimme schilderte die 54-jährige Altenpflegerin ihre Gefühle, nachdem sie Ende September vergangenen Jahres von den Vorwürfen gegen ihren 20-jährigen Sohn erfahren hatte. „Ich kann mir das nicht erklären“, schluchzte die Mutter von drei Kindern.
Sweatshirt fehlte abends
Drei Stunden lang befragte das Gericht die Eltern des Angeklagten. Sie berichteten, dass Micky am Tattag (25. September) zwar etwas später von der Arbeit nach Hause gekommen sei, er sich aber nicht auffällig verhalten habe. Das rote Sweatshirt der Marke Kani, das er nach Angaben seiner Mutter morgens angezogen hatte, habe er abends nicht getragen. Ein solches Sweatshirt war – wie berichtet – in der Nähe des erstochenen Taxifahrers gefunden worden.
Am 26. September soll M. in Stuhr eine 62-jährige Taxifahrerin mit einem Messer angegriffen und ausgeraubt haben. Diese Tat gestand der Angeklagte bereits.
Suizid befürchtet
Weil er an jenem Abend nicht nach Hause gekommen war, hatten sich seine Eltern Sorgen gemacht und nach ihm gesucht. Die Mutter befürchtete, dass sich ihr Sohn etwas angetan haben könnte. Micky habe sich damals in einer schon länger andauernden Krise befunden. Als Gründe nannte sie Schwierigkeiten in der Beziehung zu seiner Freundin und Probleme im Ausbildungsbetrieb.
Dass der Elektriker-Lehrling eine Sammlung von etwa zehn Messern besaß, fanden weder Vater noch Mutter ungewöhnlich. „Andere sammeln Bierdeckel“, meinte die 54-Jährige. Gekauft haben will die meisten Messer ihr Ehemann (46), der als Anlagenbauer auf Montage arbeitet. Zur Sammlung habe auch ein Ninja-Schwert gehört.
Geldprobleme habe Micky nicht gehabt, sagten seine Eltern. Sie hätten ihren Sohn finanziell unterstützt. Der Angeklagte hatte am ersten Prozesstag ausgesagt, dass er sich 130 Euro geliehen habe, um seiner Ex-Freundin Geschenke zu kaufen. Seine Eltern hätte er deswegen nicht ansprechen können. Dies bestätigte der Vater: „Mein schwer erarbeitetes Geld gebe ich nicht fremden Leuten.“
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