Unklare Zukunft der Raffinerie in Wilhelmshaven
Aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet: Die Wilhelmshavener Raffinerie hat seit einem halben Jahr nichts mehr produziert. Niemand weiß, wann es weiter geht. BILD: ARCHIV 
VON JÜRGEN WESTERHOFF
Wilhelmshaven - Noch vor einem Jahr galt die Wilhelmshavener Raffinerie als Zukunftsmodell. Konzernspitze und Landesregierung hatten stolz verkündet, dass der Betrieb für zwei Milliarden Euro modernisiert und erweitert werde. Von bis zu 5000 Arbeitsplätzen während der Bauphase war die Rede.
Inzwischen haben die etwa 350 Beschäftigten seit einem halben Jahr keinen einzigen Tropfen Rohöl mehr verarbeitet und machen sich akute Sorge um den Fortbestand ihrer Arbeitsplätze.
„Hallo Houston, wir haben ein Problem“, möchten sie ihrer Konzernzentrale in Texas zurufen, so wie 1970 die Apollo-Astronauten vor der Fast-Katastrophe bei einer Mond-Mission. Houston hüllt sich aber derzeit in Schweigen, so dass niemand weiß, wann und wie es weitergehen wird.
Der Wilhelmshavener Raffinerie-Geschäftsführer Eckard Heyse im Gespräch mit dieser Zeitung: „Wir hoffen Woche für Woche auf eine positive Entscheidung.“ Bis dahin wird die Zeit des Stillstands genutzt, um Reparaturarbeiten nach dem strengen Winter vorzunehmen, das Personal zu schulen und auch neue Komponenten einzubauen. So wurde beispielsweise die Entschwefelungsanlage innerhalb der Anlage am Voslapper Groden in Wilhelmshaven erweitert.
Gleichzeitig hoffen nicht nur die Raffineriebeschäftigten darauf, dass die aus wirtschaftlichen Gründen verordnete Zwangspause bald ein Ende haben wird. Schließlich ist die Raffinerie ein wichtiger Standortfaktor in der Region.
Bis zur plötzlichen Stilllegung im Herbst schien die Raffinerie auf einem positiven Weg in die Zukunft zu sein. „In Wilhelmshaven entsteht die modernste und umweltfreundlichste Raffinerie Europas“, hatte Mike Fretwell, der Europa-Chef des US-amerikanischen Energie- und Raffineriekonzerns Conoco Philips angekündigt. Für die angestrebte Modernisierung und Erweiterung hatte der Konzern schon ein umfassendes Genehmigungsverfahren absolviert – bevor Jim Mulva, der Chef in Houston, die Ampel auf Rot schaltete.
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