OLDENBURG, 15. April 2010


Mehr Spaß soll Schülern das Lernen erleichtern

Wissenschaft Hirnforscher Manfred Spitzer bemängelt das deutsche Bildungssystem – Kritik an zu viel Fernseh-Konsum


Angst verhindere Lernerfolge, meint der bekannte Forscher. Verbesserungspotenzial sieht er in der Lehrerausbildung.

von Sven Mertinkat

Oldenburg - Wer Angst vor Mathematik hat, der wird sie niemals verstehen. Das zumindest behauptet Hirnforscher Manfred Spitzer. „Die negative Verknüpfung mit der Angst ist hinderlich beim Verstehen“, sagte der Professor aus Ulm bei einem Vortrag in Oldenburg. Knapp 2000 Schüler hörten gespannt zu.


Lernen mit Spaß verknüpft
Spitzer weist darauf hin: „Im Gehirn sind Lernen und Spaß eng verknüpft. Ohne das eine funktioniert das andere nicht.“ Doch diese Verknüpfung müssen Schüler auch abrufen. „Für die Emotion Angst ist als Reaktion Weglaufen einprogrammiert. Das kann in der Schule nicht funktionieren“, sagt Spitzer. Das Ziel ist daher, mit Spaß zu lernen. „Die Lernerfolge sind dann wesentlich größer“, glaubt Spitzer.


Schüler ernst nehmen
Wichtig außerdem: Die Schüler sollen sich ernstgenommen fühlen. „Sie sind interessiert, das merke ich bei meinen Vorträgen“, sagt der Hirnforscher. Verbesserungspotenzial sieht er in der Lehrerausbildung: „Da wo Lehrer ausgebildet werden, müssen Schüler sein.“ Ein Beispiel: „Ärzte werden ja auch nicht dort ausgebildet, wo keine echten Patienten sind“, fügt er an. Die Zuhörer nicken zustimmend.

Mit der Organisation der Bildung ist der Forscher ebenfalls nicht einverstanden. „Es kann doch nicht sein, dass europaweit das Hochschulsystem vereinheitlicht wird, und in Deutschland nicht mal das Schulsystem einheitlich ist. Warum brauchen wir 16 unterschiedliche Bildungssysteme?“, fragt Spitzer.

Kein gutes Haar lässt der Hirnforscher an den Fernsehgewohnheiten vieler Jugendlicher. Zu viel Fernsehgucken wirke sich negativ auf die Leistungen in der Schule aus, behauptet Spitzer Das kreative Lernen werde durch „bloße Berieselung“ nicht gefördert. „Am besten lernt man, wenn man etwas mit allen Sinnen begreift“. Womit er sagen will: Nicht die nackte Theorie, sondern die Praxis ist der Schlüssel zum Erfolg.


Jahr der Bildung
„Das wollen wir in die Köpfe der zukünftigen Lehrer bringen“, versicherte Heinz Kaiser, Seminarleiter des Studienseminars für Berufsbildende Schulen in Oldenburg. Er rief dazu auf, nach dem Jahr der Wissenschaft 2011 ein Jahr der Bildung in Oldenburg zu veranstalten.

Organisiert wurden die Veranstaltungen vom Oldenburger Fortbildungszentrums, der Universität Oldenburg und vom Studienseminar Oldenburg für das Lehramt an berufsbildenden Schulen. Auch der Präventionsrat Oldenburg kooperierte. „Lernen ist wichtig für die Prävention“, sagte Gerd Koop, Vorsitzender des Präventionsrates. Gefördert wurde der Vortrag durch die VR-Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken.

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