HANNOVER/OLDENBURG, 23. Juli 2010


„Mediencharta“: Ministerin löst Sturm der Empörung aus

Hannover/Oldenburg - Niedersachsens neue Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) hat am Freitag in der Politik und in der Medienwelt erheblichen Wirbel ausgelöst: Die Ministerin will Journalisten eine „Mediencharta für Niedersachsen“ unterzeichnen lassen, berichtete die Oldenburger Nordwest-Zeitung.

Mit dem Papier sollen sich die Pressevertreter ab Mitte August unter anderem dazu verpflichten, über „Herausforderungen der Integration zu berichten“ und eine „kultursensible Sprache“ anzuwenden.

Medienvertreter kritisierten die Pläne heftig. „Unverblümter hat seit langem kein Politiker mehr versucht, Zeitungen und elektronische Medien auf Kurs zu bringen“, sagte der Chefredakteur der Nordwest-Zeitung, Rolf Seelheim.

Auch die niedersächsische SPD hat die geplante „Mediencharta für Niedersachsen“ scharf kritisiert. „Ich bin absolut fassungslos, dass sich eine Ministerin erdreisten kann, so etwas vorzuschlagen“, sagte die medien- und kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Daniela Behrens, am Freitag.

Stefan Schostok, neuer Fraktionschef der niedersächsischen Sozialdemokraten, sagte: „Die sollen doch erst einmal ihren eigenen Integrationsplan aufstellen. Die Politik muss ihre Hausaufgaben selbst machen und kann nicht einfach die Medien vorschicken. Die Wirkung von so etwas ist absolut kontraproduktiv".

Die Linke kritisierte, das Ziel der Charta sei zwar grundsätzlich richtig, der Weg aber falsch. „Die Ministerin verfolgt mit ihrem Anliegen richtige Ziele mit unsensiblen Methoden“, hieß es.

Die Grünen kritisierten, die geplante Mediencharta sei ein „Instrument der Zensur“. „Die geplante Sprachregelung mag gut gemeint sein, aber die geplante gemeinsame Absichtserklärung zwischen Medien und Ministerium geht gar nicht“, sagte der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Stefan Wenzel.

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Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in Niedersachsen hält die von Özkan vorgelegte Mediencharta für überflüssig. Die Inhalte seien bereits durch den Pressekodex Bestandteil der täglichen Arbeit von Journalisten.

Der Geschäftsführer des Verbandes Niedersächsischer Zeitungsverlage (VNZV), Stefan Borrmann, sagte: „Der Entwurf ist inhaltlich nicht mit den Zeitungsverlagen abgestimmt.“ In keinem Fall dürfe die Pressefreiheit eingeschränkt werden. Natürlich könnten einzelne Verlage eine Art Selbstverpflichtung unterschreiben. Eine Branchenlösung werde es nicht geben.

NDR-Sprecher Martin Gartzke sagte: „Verantwortungsvolle Berichterstattung zum Thema Integration gehört zu unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag und zu unserem Selbstverständnis. So gut gemeint der Vorschlag sein mag, so problematisch erscheint uns der Vorgang, dass Medienvertreter eine in einem Ministerium formulierte Verpflichtungserklärung abzeichnen sollen.“

Eine Regierungssprecherin von Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte, die Staatskanzlei sei mit der Mediencharta nicht befasst gewesen und habe erst am Tag zuvor davon erfahren.

Mehr dazu lesen Sie am Sonnabend in Ihrer NWZ.

  • Mehr dazu auf NWZonline:
    Ministerin will Medien Inhalte vorgeben


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    Leserkommentare (7)
    gelato
    - 22.08.2010 11:56 Uhr
    Guckt man sich die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland an, sieht man, dass sich die Zahl der Deutschtämmigen verringert. Prognosen sagen uns einen Schwund von jetzt 82 bis 2050 70 Millionen vorraus. Dass verschiedene Religionen auf engstem Raum friedlich miteinander leben können, hat der Balkan, die Türkei, andere Länder ebenfalls bewiesen. Wenn, ja wenn die fanatischen Vertreter der Religionen nicht wären. Christen, Moslem, Juden haben sie. Sie machen das Miteinander der Menschen unmöglich. Eine Moschee in einer Stadt ist nicht gleichbedeutend mit Fanatismus, erst radikale Prediger hetzen, Irland wird nicht zur Ruhe kommen, wenn ja, wenn radikale auf beiden Seiten den Hass schüren. Jetzt kommt eine Kultusministerin daher und will der Presse "integrationskonforme Sprache" auferlegen. In Hamburg wurde eine Moschee geschlossen, weil radikale Prediger Hass predigten. Da muss man ansetzen, das missionieren muss aufhören, wenn es Menschen in Deutschland gibt, die nicht in einer Demokratie leben wollen, mit Rücksicht auf die Rechte anderer, sollen sie dort hingehen, wo ihnen von Staats wegen mitgeteilt wird, was sie zu tun und zu lassen haben. Es ist ja zum Glück so, dass die meisten Menschen, gleich welcher Religion, dieses missionieren hassen, gut so. Die nicht so denken, schert Euch zum Teufel, den gibt es in allen Religionen. Und Ihr Zeitungsredakteure, lasst Euch durch das Gelabere der Frau Ministerin nicht die deutliche Sprache verschlagen, die meisten Leser können auch zwischen den Zeilen lesen.
    blaunwz
    - 21.08.2010 20:07 Uhr
    Es ist schon recht merkwürdig der naive, liebe demokratiewählende Deutsche zu sein.

    Es ist schon nahezu chizophrenie-fördernd nicht sehen und hören zu dürfen was einem vor die Augen und Ohren kommt.

    Es ist kränkend, diese Verdrehungen, wenn es um Migranten geht.

    Es ist schmerzlich nicht auch mal "beleidigt" sein zu dürfen wie besonders die türkischen Landsleute.

    Es ist diskriminierend in einem Staat zu leben in dem Religion und Staat getrennt agieren sich mit Haß-Predigern auseinandersetzen zu müssen. Besonders wenn man mit keiner religion etwas zu tun haben möchte.

    Es ist eigentlich in unserem freien Land auch kein Problem, wenn, ja wenn...

    Es ist bedrückend dieses ganze Thema und doch so einfach.

    Wir wollen alle miteinander leben in Demokratie und Freiheit - auch geistiger. In Flensburg, München, Paris, Groningen, Petersfehn, Varel, Oslo oder, oder, oder.
    Wir haben uns schwer mit demokratischen Regeln nach dem Dritten Reich getan, aber nicht bereut.

    Mir scheint einige Götter sind schon lange in Rente, ziehen sich Videos rein und haben eigentlich kein Interesse mehr an Einhaltung von Regeln die schon viele, viele Jahrhunderte Jahre alt sind.

    Es fällt mir als an gesellschaftlichen und politischen Themen interessierter Mensch dieses Interesse aufrecht zu halten.

    Ich ertrage dieses Gutmenschgeschwätz, ja Geschwätz, nicht mehr.

    tercel
    - 20.08.2010 23:30 Uhr
    Dieser Kommentar wurde aufgrund von Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen des Leserforums entfernt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
    dahland
    - 23.07.2010 17:33 Uhr
    Wann wird man begreifen, dass Moslems (egal, wer es ist) keine Demokratie kennen und wollen?
    tercel
    - 23.07.2010 17:33 Uhr
    Dieser Kommentar wurde aufgrund von Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen des Leserforums entfernt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.



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