FRIESLAND, 17. August 2010


Friesland: 60 Chinchillas aus verdreckter Wohnung geholt

Tierschutz Haltung über Kopf gewachsen – Überforderte Halter schlagen selbst Alarm


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Aus dieser völlig verwahrlosten Wohnung holten Tierschützer 60 Chinchillas. BILDer: Tierschutz Aktiv  Bild vergrößern

Die Tiere konnten sich offenbar unkontrolliert vermehren und in der Wohnung breit machen. Tierschützer Joachim Tjaden spricht von unvorstellbaren Zuständen.

von Ulrich Schönborn

Friesland - 60 Chinchillas haben Mitglieder des Vereins Tierschutz Aktiv Friesland und Umzu am Freitag aus einer völlig verwahrlosten Wohnung in Friesland geholt. Die Tiere hausten bei so genannten „Tier-Messies“, denen die Tierhaltung über den Kopf gewachsen war. Wie der erste Vorsitzende Joachim Tjaden am Montag berichtete, hatten die Halter selbst den Verein um Hilfe gebeten.

„Im Laufe der Jahre haben wir schon viel gesehen, diese Wohnung sprengte aber jeden Rahmen“, so Tjaden. Die Tür zur Küche konnte Tjaden zufolge nur noch einen kleinen Spalt geöffnet werden, weil auf dem Fußboden eine dicke Schicht Kot lag. Die unzähligen Chinchillas hatten sich im Laufe der Zeit Löcher in Schränke und sogar in die Zimmerdecke gebissen. „Der unerträgliche Gestank machte es bei unserem ersten Besuch unmöglich, den Raum überhaupt zu betreten“, berichtet Tjaden weiter.

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    Bilder von der Aktion in Friesland

    Das von den Tierschützern informierte Veterinäramt sprach angesichts dieser Zustände sofort ein Tierhalteverbot aus.

    Tjaden zufolge hatten die Halter eine Woche Zeit, um alle Tiere einzufangen und in geeignete Hände zu geben. Da die Halter dieses Problem aber nicht allein lösen konnten und weit und breit keine Hilfe zu finden war, startete der Verein Tierschutz-Aktiv eine groß angelegte Fangaktion. Mit Mundschutz, Schutzanzügen, Gummistiefeln und Handschuhen ausgerüstet, gelang es gleich am ersten Tag, 49 Chinchillas einzufangen. „Teilweise waren die Tiere in erbärmlichem Zustand“, so Tjaden.

    Da sich viele Chinchillas in die Zwischendecke, in Hohlschichten und auf den Dachboden verkrochen hatten, stellten die Tierschützer über Nacht Lebendfallen auf. Dort fanden sie am nächsten Morgen sechs weitere Tiere. Insgesamt wurden bisher 60 Tiere gefangen. „Wie viele Tiere noch immer in irgendwelchen Verstecken zu finden sind, ist kaum absehbar“, so Tjaden. Da der Verein selbst keine Möglichkeiten hat, die Tiere unterzubringen, wurden sie ins Dr.-Kibat-Tierheim in Wilhelmshaven gebracht.

    Nach Angaben des Leiters des Veterinäramts Jade-Weser, Dr. Norbert Heising, kommt es immer wieder vor, dass Menschen mit der Haltung von Haustieren überfordert sind. So genannte „Tier-Messies“ könnten sich nicht von den Tieren trennen und würden sie quasi sammeln. In Wittmund habe das Veterinäramt kürzlich eine außer Kontrolle geratene Haltung von Futterratten aufgelöst. „Das Gute an dem aktuellen Chinchilla-Fall ist, dass die Halter selbst Alarm geschlagen haben“, so Heising. Es sei sehr selten, dass die Halter in solchen Fällen Einsicht zeigten.

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    sind Nagetiere aus Südamerika, die sich auch in Europa als Felllieferant und Haustier zunehmender Beliebtheit erfreuen. Ausgewachsene Tiere erreichen je nach Rasse eine Länge von bis zu 65 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu acht Kilo.

    der ausgeprägten Gruppentiere gilt mit Blick auf Fütterung und Auslauf als sehr anspruchsvoll und aufwendig.






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