Keime kennen keine Grenzen
Gesundheit EU-Projekt soll Schutz der Patienten vor Infektionen erhöhen
Hygiene-Tagung im Oldenburger Klinikum (von links): Matthias Pulz, Alexander Friedrich und Jörg Hermann BILD: Peter Kreier 
von Jürgen Westerhoff
Oldenburg - der multiresistenten Art, sogenannte MRSA-Erreger, treten in niederländischen Krankenhäusern so gut wie kaum noch auf, während sie in Deutschland etwa 20 mal häufiger nachgewiesen werden.
für den Erfolg in den Niederlanden gilt die Tatsache, dass dort ein konsequentes und koordiniertes Vorgehen nach dem Motto „Suchen und Zerstören“ üblich ist.
in den Krankenhäusern ist ein weiterer Grund für die erfolgreiche Umsetzung der Hygieneempfehlungen in den Niederlanden. Es gibt keine niederländische Klinik, in der nicht ausreichend ärztliches und pflegerisches Hygienefachpersonal arbeitet oder zumindest innerhalb von 30 Minuten auf der Station sein kann.
Netzwerken soll die Situation in Deutschland verbessert werden, um so den Schutz der Patienten vor Infektionen zu erhöhen. Gefördert werden die Projekte mit einer finanziellen Starthilfe aus öffentlichen EU-Mitteln.
Mit einer großen Kraftanstrengung wollen Gesundheitsämter und Krankenhäuser im deutsch-niederländischen Grenzgebiet in den kommenden Jahren den Schutz der Patienten vor Infektionen erheblich verbessern. Da Keime keine Grenzen kennen, gibt es ein entsprechendes EU-Vorhaben zur Vorbeugung und Bekämpfung multiresistenter Bakterien.
Zur Auftaktveranstaltung des Projekts „EurSafety Health-net“ trafen sich am Donnerstag etwa 100 Experten aus Krankenhäusern, Reha-Kliniken und Gesundheitsämtern der Ems-Dollart-Region. Der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Dr. Matthias Pulz, stellte dort ein Qualitätssiegel gegen die sogenannten MRSA-Erreger vor, mit dem die Krankenhäuser die Bemühungen zum Patientenschutz dokumentieren können.
„Wir wollen erreichen, dass möglichst viele Krankenhäuser sich in den kommenden drei Jahren um zehn spezielle Qualitätsziele bemühen“, erläuterte Pulz im Gespräch mit dieser Zeitung. Um den Kliniken einen Anreiz zu geben, sich an den Bemühungen zu beteiligen, werden zum Start des Projektes die notwendigen Anfangsuntersuchungen aus europäischen Fördermitteln finanziert. Pulz: „Wir hoffen dann auf eine anschließende Selbstverpflichtung.“
Moderiert und überwacht werden die einzelnen Maßnahmen von den örtlichen Gesundheitsämtern. Insbesondere sollen sie kontrollieren, ob die einschlägigen Vorgaben des Robert-Koch-Instituts eingehalten werden. Langfristig, so Pulz, sollen weitere Einrichtungen wie Krankentransportdienste sowie Alten- und Pflegeheime, ambulante Pflegedienste mit ins Boot geholt werden. Dabei gehe es besonders darum, die Schnittstellen zwischen den einzelnen Institutionen ins Visier zu nehmen.
Die fachliche und wissenschaftliche Begleitung des Projektes erfolgt durch die neu gegründete Hygiene-Akademie Nord. Geleitet wird sie von Dr. Jörg Herrmann, Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene, das für Hygienefragen in den drei Oldenburger Krankenhäusern zuständig ist.
Das Gesamtprojekt leitet Dr. Alexander Friedrich von der Universität Münster, der bereits seit 2005 Erfahrungen mit grenzüberschreitenden Kooperationen gesammelt hat. Beteiligt sind Einrichtungen aus den Landkreisen Ammerland, Aurich, Cloppenburg, Emsland, Friesland, Grafschaft Bentheim, Leer, Osnabrück, Wittmund und der Stadt Oldenburg. Die Gesamtkosten betragen 1,8 Millionen Euro, von denen das Land Niedersachsen 810 000 Euro übernimmt.
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