Emstekerin schnitzt Kunstwerke aus Obst und Gemüse
Hobby Lilia Thobe gilt als Perfektionistin – Europameisterschaft in Leipzig
Lilia Thobe trainierte fleißig für die Teilnahme an der Europäischen Meisterschaft im Gemüse- und Obstschnitzen in Leipzig. BILD: Bodo Meier 
von Bodo Meier
Emstek - Einen Rettich bringen viele in Verbindung mit rustikalem Holzteller, Brezel und Weißbier, auf keinen Fall aber mit einem Pfau inmitten eines prachtvoll dekorierten Büfetts einer Hochzeitsfeier. Für die Emstekerin (Kreis Cloppenburg) Lilia Thobe ist aus ihrem Hobby ein Geschäft geworden.
Die 45-Jährige gilt in der Region und weit darüber hinaus als Perfektionistin, wenn es um Obst- und Gemüseschnitzerei geht. Kenner der Branche haben sie sogar zur Teilnahme an der Europameisterschaft im Gemüseschnitzen am vergangenen Sonntag und Montag in Leipzig animiert. Fürs Treppchen hat es dort allerdings nicht ganz gereicht.
Angefangen hat die Leidenschaft fürs Schnitzen mit Schmuckschatullen und Schneidebrettern für die Küche. Geschnitten wurde auf den Holzbrettern dann allerdings nicht mehr: „Sie dienten nur noch zur Dekoration in der Küche“, erzählt die Übersetzerin und Mutter dreier Kinder von den Anfängen ihrer Schnitzfertigkeit. Ein Carving-Messerset brachte sie Ende 2008 zu den Nahrungsmitteln, ganz nach dem Motto: „Was mit Holz geht, klappt auch mit Gemüse.“
Meisterliche Werke aus Wassermelone, Rettich, Mohrrübe und Co. stellt Lilia Thobe unter anderem auf ihrer Internetseite aus, und für Interessierte bietet die Emstekerin Carving-Kurse an. Der Begriff Carving kommt aus dem Englischen und heißt Schnitzerei. Wie beliebt diese Kurse sind, und wie hoch ihr Können eingeschätzt wird, ist aus der Resonanz abzulesen. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland, „und sogar aus Frankreich reiste ein Teilnehmer an“, berichtet Thobe.
Bei den Europameisterschaften trat sie im Einzelwettbewerb an. Am ersten Tag konnten vorgefertigte Stücke präsentiert werden, und in 40 Minuten galt es, zwei Cocktailgläser und einen Teller nach Vorgaben dekorieren. Am zweiten Tag ging es in die Vollen. Innerhalb von vier Stunden mussten aus Wassermelone, Riesenpapaya, Kohlrabi, Chinakohl, Möhren, Gurken und Rettichen mit dem Messer oder Meißel Kunstwerke geschaffen werden, wusste Thobe schon im Vorfeld um die Aufgaben. „Hilfsmittel wie Ausstecher sind nicht gern gesehen.“
Der dritte Tag der Meisterschaft ist Gruppen vorbehalten. „Vielleicht bekomme ich durch die Kursteilnehmer fürs nächste Mal eine Gruppe zusammen“, hofft Thobe, die ihre Chancen in Leipzig realistisch einschätzte: „Wenn ich nicht die ersten Plätze gewinne, dann sicher an Erfahrung“. Eine Einladung zur Teilnahme an einer weiteren Meisterschaft in der Ukraine hat Lilia Thobe bereits in der Tasche. Dort sei das Schnitzen von Obst und Gemüse weit verbreitet.
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