Neuer Nährboden für Neonazis in Region
Podiumsdiskussion Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke fordert bessere Präventionsarbeit
von Anna Zacharias
Oldenburg - Frauen grölen Nazi-Parolen, Frauen heben den Arm zum Hitler-Gruß, Frauen stellen ihre Kinder als Vorbild der arischen Rasse vor die laufende Kamera. Die beklemmenden Bilder aus einem Dokumentarfilm von Journalistin Andrea Röpke zeigen: Auch immer mehr Frauen sind in der Neonazi-Szene aktiv. Sie seien inzwischen für zehn Prozent der Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund verantwortlich. Die Resonanz auf die Diskussionsveranstaltung: „Neonazis in Nadelstreifen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung im Kulturzentrum PFL am Donnerstagabend war groß.
Steigender Einfluss
Expertin Röpke warnte vor dem steigenden Einfluss rechtsextremer Gruppierungen in Parlamenten und Organisationen. „Neonazis wollen sich in der Mitte der Gesellschaft verankern. Sie sind sehr aktiv in der Jugend- und Kinderarbeit“, sagte sie. Die NPD strebe ein neues Image des nationalen „Hoffnungsträgers“ an, erklärte Röpke. In der Region würden Neonazis in Delmenhorst, Wildeshausen und Bookholzberg verstärkt neue Gruppierungen bilden, auch in Wilhelmshaven sei das Problem präsent. Auch gebe es vermehrt Rechts-Rock-Konzerte in der Region Bremen. „Früher hatte man das Gefühl: Eigentlich betrifft uns das hier nicht“, sagte MdL Jürgen Krogmann (SPD). Die Kommunalwahlen im September hätten gezeigt, dass die NPD einen neuen Stand in der Region habe. Er sprach sich für ein Verbot der Partei aus.
Um Rassismus bekämpfen zu können, waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig, müssten auch die ersten Anzeichen dafür in der Gesellschaft wahrgenommen werden. „Laut Umfragen sind 15 Prozent der Bevölkerung der Meinung, dass die Deutschen anderen Völkern überlegen seien“, sagte Röpke.
Null Toleranz gefordert
Null Toleranz gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit forderte Markus Paschke vom DGB Oldenburg-Wilhelmshaven. „Rechtsextremisten müssen aus Vereinen, Betrieben und Gewerkschaften ausgeschlossen werden“, sagte er. Dass in Leer ein rechtsorientierter Politiker über die Freien Wähler in den Kreistag gewählt wurde, sehe er mit Sorge. In Oldenburger war die NPD bei der Kommunalwahl 2011 in den Rat eingezogen. In Niedersachsen, sagte Röpke, seien viele Mittelständler in rechten Kreisen aktiv. Sie forderte Präventionsarbeit, die sie in Niedersachsen als zu gering bewertete. Die Anfälligkeit für Rechtsextremismus sei in vielen Schichten da. Krogmann fand, es müsse Kampagnen geben, die Migranten als Teil der Gesellschaft zeigten. Zuwanderung sei oft als Bedrohung gesehen worden – heute würden sich die Menschen zweimal überlegen, ob sie in Deutschland leben wollen.
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