EDEWECHT, 28. Januar 2012


Edewechter berichtet: Fahrgäste sollten überfüllten IC verlassen

Mensch Das ärgert Mich Edewechter Jörg Brunßen kritisiert Problemmanagement der Deutschen Bahn


Bei einer IC-Fahrt von Hannover nach Oldenburg gab es Probleme. Frühzeitige, umfassende Informationen hätten vielen viel Ärger erspart, so Brunßen.

von Doris Grove-Mittwede

Edewecht - „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ heißt es in einem Gedicht des deutschen Dichters Matthias Claudius. Allerlei zu erzählen hat auch NWZ -Leser Jörg Brunßen, wenn er an sein letztes Erlebnis mit der Deutschen Bahn denkt.

Der Edewechter wollte kürzlich des Nachmittags um 16.45 Uhr mit dem Intercity von Hannover aus nach Oldenburg fahren. Der Zug habe jedoch im Hauptbahnhof Hannover gestanden und seine Fahrt nicht fortgesetzt. Kaum einer der Fahrgäste konnte sich erklären, warum der Zug nicht weiterfuhr. Nach etwa 15 Minuten habe es eine Durchsage gegeben, in der es hieße, dass der Zug überfüllt sei und dass Fahrgäste wieder aussteigen sollen. Die Mitreisenden hätten nur mit Kopfschütteln reagiert, zumal sie gültige Fahrkarten hatten und den Zug nutzen wollten. Keiner sei ausgestiegen. Er, so Brunßen, sei auch auf seinem reserviertem Platz sitzen geblieben. Mehrfach sei die Durchsage wiederholt worden. Als immer noch keiner aussteigen wollte, sei per Durchsage mitgeteilt worden, dass der IC entgegen dem Fahrplan an bestimmten Bahnhöfen nicht halten werde. Daraufhin hätten einige wenige den Zug verlassen. Schließlich sei der IC gestartet, obwohl die Waggons immer noch überfüllt gewesen seien. Viele Reisende hätten Anschlusszüge nicht mehr bekommen und Brunßen sei zu seinem Anschlusstermin zu spät gekommen.

Über diesen Vorfall, der alles andere als gute Werbung für die Bahn sei, habe er sich, so der Edewechter, geärgert. Er frage sich, warum Bahnbedienstete erst alle Fahrgäste in den IC einstiegen ließen und es in Kauf nähmen, dass die Waggons übervoll würden. Ihm sei auch schleierhaft, dass bei einem solchen Andrang keine weiteren Waggons angehängt bzw. kein Ersatzzug eingesetzt werde. Nicht nachvollziehen könne er zudem, dass Bahn-Mitarbeiter Fahrgäste nicht auf dem Bahnsteig umfassend informiert hätten. So habe er später zufällig erfahren, dass es wegen eines Suizids eines Menschen zu einer zeitweisen Sperrung der Bahnstrecke gekommen war, die auch der IC nach Oldenburg nutzen musste und es deshalb zu den Problemen gekommen sei.

„Wir bedauern, dass die Bahnfahrt unseres Kunden nicht zu seiner Zufriedenheit verlaufen ist“, sagte auf Anfrage der NWZ  Sabine Brunkhorst, Pressesprecherin der Deutschen Bahn im Regionalbüro Hamburg. Sie bestätigte, dass der IC 2036 von Leipzig nach Norddeich an jenem Nachmittag in Hannover mit 17 Minuten Verspätung abgefahren sei. Der Grund dafür sei, dass es vorher eine Streckensperrung wegen eines Suizids gegeben habe; eine Zeitlang konnten Züge nicht fahren, deshalb sei der IC stark überbesetzt gewesen. In der Regel würde die Transportleitung bei Problemen im Bahnverkehr sofort die jeweiligen Bahnhöfe informieren. Es sei jedoch nicht möglich, kurzfristig Waggons anzuhängen oder Ersatzzüge zu stellen weil man darüber in den Bahnhöfen nicht verfüge. Obendrein dürfe ein Zug maximal nur so lang sein wie der kürzeste Bahnhof, den er anführe. Reisende sollten schließlich nicht im Schotterbett, sondern auf dem Bahnsteig aussteigen können. Wenn ein überfüllter Zug aus Sicherheitsgründen nicht starten könne, würden die Fahrgäste ohne Reservierungen aufgefordert auszusteigen. Manchmal reichten wenige Gäste. Der Zugchef entscheide stets über die Weiterfahrt. Dass Züge übervoll würden, könne man nicht verhindern, weil man ja nicht an jeder Zugtür einen Mitarbeiter abstellen könne. Nach ihrem Kenntnisstand habe der IC alle Bahnhöfe angefahren. Sabine Brunkhorst verwies auch auf die gesetzlichen Fahrgastrechte; Betroffene, die sich im Reisezentrum der Bahn meldeten, könnten als Kulanzleistung einen Gutschein erhalten.

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