Bundespräsident Wulff zurückgetreten: Merkel will Nachfolge gemeinsam mit Opposition klären
Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina verlassen am Freitag im Schloss Bellevue die Pressekonferenz. Bild: dpa 
Berlin - Bundespräsident Christian Wulff hat nach nur 598 Tagen im Amt seinen Rücktritt erklärt. Der 52-Jährige begründete dies am Freitag in Berlin damit, dass er seine Aufgaben wegen der verschiedenen Vorwürfe gegen ihn „nach innen und außen“ nicht mehr richtig wahrnehmen könne.
Seine Wirkungsmöglichkeiten seien „nachhaltig beeinträchtigt“. Der Bundespräsident müsse jedoch vom Vertrauen „nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürger“ getragen werden.
Bis zur Wahl eines neuen Staatsoberhaupts nimmt nun der amtierende Präsident des Bundesrats, Bayerns Regierungschef Horst Seehofer, die Aufgaben wahr. Die schwarz-gelbe Koalition will aber rasch über eine Nachfolge entscheiden. In die Entscheidung sollen auch die Oppositionsparteien SPD und Grüne eingebunden werden.
Chronologie der Affäre um Christian Wulff
Wortlaut: Die Rücktrittserklärung Wulffs im Wortlaut
Merkel sagte: „Wir wollen Gespräche führen mit dem Ziel, in dieser Situation einen gemeinsamen Kandidaten für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland vorschlagen zu können.“ Die Linkspartei erwähnte sie nicht. In der Bundesversammlung, die bis spätestens 18. März das neue Staatsoberhaupt wählt, hat Schwarz-Gelb nur eine knappe Mehrheit.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann, hat das Gesprächsangebot der Bundeskanzlerin über einen Nachfolger begrüßt. „Wir sind zu Gesprächen bereit“, sagte er am Freitag in Berlin. „Das setzt aber voraus, dass es in der Koalition keine Vorfestlegung auf einen Kandidaten gibt.“ Die Gespräche müssten offen geführt werden, sagte er. „Es darf keinen parteipolitischen Alleingang geben.“
Als aussichtsreiche Nachfolger werden in der Union unter anderem Verteidigungsminister Thomas de Maizière, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Ex-Umweltminister Klaus Töpfer (alle CDU) gehandelt.
Im Gespräch sind auch der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck, der 2010 als rot-grüner Kandidat gegen Wulff knapp unterlegen war, und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle.
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