NORDENHAM, 23. Februar 2012


Gemischtwaren und ein Stück Geschichte im historischen Kaufhaus Abbehausen

Handel Im Traditionsgeschäft verkauft Susanne Schiller Dinge für den täglichen Bedarf


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Das riesige Wandregal im Verkaufsraum gehört dem Förderverein und ist somit Bestandteil des Museums. Bild: Sandra Binkenstein  Bild vergrößern

Im Verkaufsraum trifft aktuelle Ware auf historische Gegenstände. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

von Sandra Binkenstein

Nordenham - Das Sterben kleiner Dorfläden erscheint wie eine logische Konsequenz aus dem Aufleben großer Discounter. Die Großen kommen, und die Tage der Kleinen sind gezählt. Doch ein Kaufhaus in einem kleinen Dorf in der nördlichen Wesermarsch trotzt dieser Logik. Seit 1853 kaufen Menschen hier Einweckgläser, Teppichklopfer, Reisigbesen und Feuerholzkörbe. Auch heute noch. Das Kaufhaus in Abbehausen (Stadt Nordenham, Kreis Wesermarsch) gibt es immer noch. Eben weil es so alt ist und in Symbiose mit einem Museums-Förderverein existiert.

Der Übergang von dem Moment, als der Laden noch ein Ort regen Handels auf der Höhe der Zeit war, zu dem Zeitpunkt, als das Kaufhaus den Beinamen „Historisch“ bekam, scheint fließend. Seit 1853 hat es immer einen Nachfolger gegeben, der das Geschäft übernommen und weitergeführt hat.

Das Haus an der Butjadinger Straße ist mittlerweile denkmalgeschützt – deswegen gibt es auch heute noch keine Heizung im Verkaufsraum, die Eingangstür wird von innen mit zwei Riegeln verschlossen und statt einem Hauswasseranschluss gibt es eine uralte Zisterne unter dem Gebäude. Auf dem dunklen Holzbohlen stehen Regale aus unterschiedlichen Epochen – nicht eines davon aus dem 21. Jahrhundert.


Sammelleidenschaft
In den Regalen stapeln sich nicht nur Schuhputz-Bürsten und Einweckgläser, sondern auch Dinge, die man in modernen Geschäften kaufen kann: Geschenkpapier, Grußkarten, Kaffeedosen. Alles, was in den oberen Regalen steht, an die Susanne Schilling nicht ohne Leiter herankommt, gehört zum Museum, alles in den unteren Regalfächern ist Verkaufsware: Dinge für den alltäglichen Bedarf.

Freitags und sonnabends steht Susanne Schilling hinter dem Verkaufstresen, der in früheren Tagen mal eine Käsetheke gewesen ist. Hier rechnet sie einzelne Schrauben ab, gibt Gelbe Säcke aus und lässt sich von ihren Kunden Geschichten von früher erzählen. Seit zwei Jahren führt die 37-Jährige das Kaufhaus. Sie verlängert damit eine Ära, die schon längst hätte vorbei sein können.

Dass sie noch nicht zu Ende ist, liegt daran, dass alle Inhaber ganz viel aufgehoben haben von den tausend Dingen, die ihnen durch die Hände gegangen sind. Nicht nur die Schrankwände und Regale, sondern auch das Inventar – Schaukartons, Werbetafeln, Ausstellungsstücke, Schriftverkehr, Rechnungen und Ware aus längst vergangener Zeit – sind in den Regalen einsortiert. Kaffeemühlen aus dem 19. Jahrhunderts stehen über Melitta-Kartons aus den



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1970er Jahren. „Die haben einfach nie etwas weggeschmissen“, sagt Susanne Schilling.

Susannes Schwägerin, Tanja Schilling, hatte das Kaufhaus 2009 geerbt, nachdem der Inhaber, ihr Vater Elmer Freese, 2009 gestorben war. Freese hatte das Kaufhaus bis zu seinem Tod geführt. Und auch er habe nichts weggeworfen, erzählt Susanne Schilling. „Die ganze Ladenfläche war vollgestellt, alles stapelte sich hier“, sagt sie und lässt ihren Blick durch den Verkaufsraum schweifen. Deswegen haben die Leute immer gefragt: Habt ihr noch dies, habt ihr noch das. Sie wurden dann bedient.“ Heute können sich die Kunden selbst umschauen,

Susanne Schilling hat erst mal ein bisschen Luft geschaffen im Verkaufsraum. Ein Jahr lang war das Kaufhaus geschlossen – so lange brauchten die Schillings, um zu entscheiden, was damit passieren soll und auch dafür, den Laden komplett aufzuräumen. „Es ist kaum zu glauben, was wir hier noch alles gefunden haben.“

Auch der Sammler Elmer Freese hatte mit dem allmählichen Sterben der Dorfläden zu kämpfen – er konnte schon nicht mehr allein von den Einnahmen aus dem Verkauf leben. Im November 1996 gründete er mit Christian Siegfried Büsing einen Förderverein. Heute leitet Lisa Pargmann den Verein, der das über vier Generationen gesammelte Kulturgut erhalten will. Und weil das Museum, das der Verein betreibt, über dem Verkaufsraum eingerichtet ist, können die Ladeninhaber mit den Mieteinnahmen rechnen. Nur so kann der Laden weitergeführt werden. Außerdem hat der Verein immer wieder Inventar von Elmer Freese abgekauft, wie zum Beispiel das riesige Wandregal.

Susanne Schiller hat gar nicht den Anspruch, von den Einnahmen aus dem Verkauf leben zu können. Hauptberuflich ist die zweifache Mutter Steuerfachangestellte, nur freitags (8.30 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18 Uhr) und sonnabends (9 bis 13 Uhr) öffnet sie das Kaufhaus.


Laden mit Zukunft
Das Jahr 2009 über war das Geschäft geschlossen. Viele Kunden hätten nicht damit gerechnet, dass der Laden wieder eröffnet wird, sagt Schiller. „Das muss sich dann ja erst mal rumsprechen.“ 2011 seien ihre Umsätze bereits besser gewesen als noch 2010. Zwar wünscht sich Schiller, dass wieder mehr Kunden kommen – aber nicht um jeden Preis. Sie will ihr Sortiment zwar erweitern und demnächst auch Wolle und vielleicht Emaille anbieten. Sie will aber keine Konkurrenzsituation im Ort schaffen. „In einem kleinen Dorf macht es keinen Sinn, wenn sich die Läden gegenseitig das Wasser abgraben“, sagt sie. Und sie ist sich sicher, dass die Menschen auch weiterhin einen Ort brauchen, an dem sie Einweckgläser, Rosshaarbesen und Feudel kaufen können.

 @ http://www.historisches-kaufhaus-abbehausen.de





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