Aus einer Klasse wird ein Team
Projekt Schüler der Haupt- und Realschule Augustfehn bekommen Sozialtraining
Die Klasse R 5 a hat gelernt ein Team zu sein: Die Schüler haben sich eine Strategie überlegt BILD: Annika Richter 
von Annika Richter
Augustfehn - Mangelnde Kommunikation, Beschimpfungen, Mobbing: Diese Dinge schleichen sich langsam ein, bis sie nicht mehr zu übersehen sind. Dr. Ralf Drabent, Schulleiter an der Haupt- und Realschule in Augustfehn, ist so eine Entwicklung an seiner Schule aufgefallen: „Schüler, die aus den Grundschulen zu uns kommen, bringen ganz bestimmte Grundvoraussetzungen nicht mehr mit.“
Dabei handele es sich um Komponenten, die normalerweise in einem Mindestmaß mitgebracht werden müssten wie zum Beispiel Kommunikation. „Wie spreche ich meine Mitschüler an? Beschimpfungen, die in Richtung Mobbing gehen, sind teilweise gang und gebe,“ sagt Drabent. „Auch die Konzentrationsfähigkeit der Schüler ist sehr niedrig. Grundtugenden, wie die Anweisungen des Lehrers zu befolgen oder pünktlich aus den Pausen zurückzukommen, sind weitestgehend unterentwickelt.“
Die Medienverwahrlosung könne ein Grund sein, vermutet Drabent. Es gäbe viele schlechte Vorbilder in den Medien. Zudem hätte der Schulleiter den Eindruck, dass viele grundlegende Verhaltensweisen in den Familien nicht mehr geübt würden.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, nehmen seit Beginn dieses Schuljahres alle fünften Klassen an einem Sozialtraining teil. Von Fachleuten des Instituts für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining (I-GSK) lernen die Schüler an jeweils einem Tag, ihre Klasse als ein Team zu betrachten, in dem es gilt, zusammenzuhalten, aber auch sich selbst zu behaupten. Begleitet wird das Sozialtraining von den Klassen- und Sportlehrern. Sie sollen die Übungen bis zur zehnten Klasse mit den Schülern fortführen.
„Im Fokus stehen Kooperationsübungen, Vertrauensübungen und Konflikttraining“, sagt Lehrerin Andrea Meyer, während sie beobachtet, wie ihre Klasse R 5 a unter der Leitung von Peter Döscher, Geschäftsführer des I-GSK, eine Mutprobe besteht.
Döscher will die Klasse zu einem echten Team formen. Dazu werden zuerst einmal Regeln aufgestellt. Was ist ein Team? Was darf man in einem Team und was nicht? Dann geht es an die Praxis.
So müssen zum Beispiel alle Schüler von schwingenden Tauen in auf dem Boden liegende Ringe springen. Jeder muss in dem Ring stehenbleiben, in dem er auch gelandet ist. Erst wenn alle Kinder in einem Ring stehen, haben sie die Aufgabe gelöst.
Zuvor müssen sich die Schüler eine Strategie überlegen. „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, ich brauche bestimmt Hilfe“, gibt Katharina zu. Das hatte sie zuvor gelernt: Es ist okay, sich Hilfe zu holen. „Was machen wir mit denen, die das nicht können?“, fragt Fabian. „Wir können das alle“, weist ihn Tobias zurecht. „Wir sind eine Gruppe.“ Schließlich einigen sich die Kinder, dass erst die Sportlicheren in die hinteren Ringe springen sollen, damit es die Schwächeren einfacher haben. Gegenseitig geben sie sich an den Tauen Schwung. Wie in einem richtigen Team.
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