Bunte Figuren stehen jetzt in Shanghai
BERUF Silke Bölts betreibt die „Kleine Werkstatt“ in Zwischenahn – Ihre Werke sind Sammlerobjekte
Malen mit Herz: Silke Bölts gestaltet in ihrer Werkstatt Tierfiguren vom Frosch bis zum Esel. BILDER (2): BODMANN 
VON INKA BODMANN
Bad zwischenahn - Die Bremer Stadtmusikanten im Trikot des Fußballvereins Werder Bremen in Shanghai. Klingt unglaubwürdig? Mag sein, es stimmt aber. Die Tierplastik stammt aus der „Kleinen Werkstatt“ mitten im Herzen Bad Zwischenahns und wird den Deutschen Pavillon auf dem Gelände der Weltausstellung 2010 in Shanghai zieren.
Eigentlich sind es sogar zwei Figuren, die den Weg aus dem Ammerland zur Expo in China angetreten haben. Und ihre Schöpferin Silke Bölts sieht es mit Stolz.
„Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass meine Figuren vor dem Pavillon und direkt am Bremer Stand zu sehen sein werden“, staunt Bölts noch immer. Dabei habe sie doch so klein angefangen.
Nach einer Ausbildung in der Gastronomie musste die 35-Jährige ihren Beruf zu Gunsten des Sohnes aufgeben. Es folgte eine Beschäftigung im Bastelvertriebshandel. „Danach habe ich zu Hause selber ein bisschen gebastelt und auf einer ganz kleinen Ladenfläche – eigentlich nur einem Fenstersims – Bilder aus dem so genannten Window-Color angeboten“, erinnert sich Bölts. Aus der Fenstermalerei wurden 1999 schließlich Bilder, die sich ebenso schnell verkauften. „Ich habe gut 1500 Stück angefertigt. Wenn ich etwas mache, dann intensiv“, lacht die Künstlerin. Hatte sie damit ihr kreatives Potential ausgeschöpft?
„Anscheinend nicht“, beantwortet Bölts die Frage. Es folgte ein Abstecher in den Handel mit Gartendekorationen. Dort nahte ihr Schicksal: Die kleinen Zierschweine, allesamt fertig mit Air-Brush-Technik bemalt geliefert, zeigten kleine Macken. Eine Ausbesserung mit dem natürlichen Farbton misslang das Schwein wurde kurzerhand blau übermalt. „Die eintönige Farbe fand ich aber blöd. Also habe ich angefangen, Sonnenblumen darauf zu malen. Das Stück wurde quasi vom Ladentisch weg verkauft“, beschreibt sie die Anfänge der Profession.
Und eine Besessenheit scheint das Bemalen der niedlichen Frösche, lebensgroßen Giraffen, Kühe, Pinguine und Schweine zu sein. „Wir arbeiten hier in einem engen Team, wenn es sein muss auch rund um die Uhr“, so Bölts. „Und nur so kann man Erfolg haben – wenn man sich komplett in die Arbeit vertieft.“
Gemeinsam mit ihrem Ehemann, zuständig für die Logistik, einer Angestellten und bis zu fünf Aushilfen erfüllt Bölts in ihrer Werkstatt an der Peterstraße alle Kundenwünsche. Und die sind vielfältig:
Einen kleinen, blauen Esel kann man entdecken, mit einer griechischen Insellandschaft. Oder einen überdimensionalen grünen Frosch mit Butterblumen und roten Glitzerherzen. Während die im Schokoladen-Design gezeichnete Kuh müßig in die Runde blickt, lackiert Silke Bölts bereits den schwarz-weißen Pinguin. Und auch ein niedliches Hündchen mit einem Portrait sei möglich, so die „Herrin der bunten Tiere“.
Die Formen, entweder der Tierwelt entlehnt oder reine Fantasie, werden als Rohlinge von einem Fachbetrieb geliefert. Sie bestehen aus GFK (Polyresin mit Glasfaserflocken- oder platten) und werden im Schleudergussverfahren erstellt. Dann beginnt Bölts ihr Werk: Mit hochwertigen Künstleracrylfarben werden die Rohlinge verziert. Zuerst mit einer Grundfarbe, dann mehrfarbig gebürstet, getupft oder laviert. Auf diese Fläche folgen die Blüten, Gesichter, Ornamente oder Landschaften. „Der Zeitaufwand variiert stark, je nach Größe und Aufwand der Malerei. Es ist aber alles Handarbeit“, sagt die Malerin. So wie die Bestellung der UN für die Milleniumskampagne mit Oxfam.
„Wenn man arbeitet, gibt man alles. Professionalität und Stress bereiten mir Freude. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Unsere Kreativität ist jedenfalls noch lange nicht am Ende“, verspricht Silke Bölts.
www.kleine-werkstatt.de
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