Oft fehlt es einfach an Wertschätzung
Pflegekonferenz Mehr als 70 Teilnehmer diskutieren mit SPD über Zukunft der Pflege
von Markus Minten
Bad Zwischenahn - Im Ergebnis waren sich alle Teilnehmer der Pflegekonferenz am Mittwochabend, zu der die SPD ins Hotel am Badepark geladen hatte, einig: Soll das System nicht zusammenbrechen, muss etwas getan werden. Ein Wort fiel dabei besonders oft: Wertschätzung. An dieser mangele es schlichtweg – sei es den professionellen Pflegekräften gegenüber oder auch den pflegenden Angehörigen.
Die SPD wolle dem drohenden Pflegenotstand unter anderem mit einer „Stärkung der Angebotsvielfalt“ entgegen wirken, nannte Landtagsabgeordnete Ulla Groskurt eine Idee der Partei. Die Wiederherstellung der Schulgeldfreiheit, eine Pflegekammer, die Umlagefinanzierung zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Einrichtungen und eine Entbürokratisierung sind weitere Punkte.
Mit dem Vorschlag, Einrichtungen durch eine Prüfung nur noch alle drei Jahre zu entlasten, stieß sie nicht nur bei Ingo Rabe, Sozialdezernent beim Landkreis, auf Widerstand: „Die Heimleitungen müssen ihre Arbeit in dem Bewusstsein verrichten, dass jeden Tag die Aufsicht kommen kann“, warnte er.
Uwe Rose, der in Westerstede und Rastede einen ambulanten Pflegedienst betreibt, wies darauf hin dass er gar nicht mehr Leistungen anbieten könne, weil die Fachkräfte fehlten. Einigkeit auch in diesem Punkt: „Originäre Pflegeleistungen gehören in die Hand von Fachkräften“, wie Martina Steguweit-Behrenbeck vom Verein „Daheim statt Heim“ betonte.
Ursache des Fachkräftemangels seien geringe Attraktivität und Bezahlung, hohe Belastung sowie schlechte Vereinbarung von Familie und Arbeit, so Rose. Hier müsse es Änderungen geben. Dazu gehöre auch eine qualifizierte Zuwanderung, die Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen und nicht zuletzt eine Imagekampagne.
„Die Pflege muss uns etwas Wert sein“, meinte Wolfgang Mickelat, Vorsitzender des Sozialverband Deutschland (SoVD). „Es dürfen nicht immer die Finanzen im Vordergrund stehen. Die Minutenzählerei muss aufhören.“ Mickelat forderte einen Vorrang der häuslichen Pflege. Allerdings bedürfe es einer „umfassenden Entlastung und Unterstützung der pflegenden Angehörigen“.
Die vermisst auch Sabine Eilers, die mit Angehörigen seit 30 Jahren ihre Mutter pflegt: „Das ist ganz viel Freizeit- und Energieverbrauch und ganz wenig Anerkennung.“ Hier seien mehr (auch finanzielle) Unterstützung und Flexibilität gefragt.
Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation im Landkreis soll die Einrichtung eines Pflegeservicebüros sein. Ein solches könnte in Zusammenarbeit mit dem SoVD im zweiten Halbjahr 2011 entstehen, kündigte Rabe an.
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