„Offene Fragen bedürfen einer ehrlichen Aufarbeitung“
Karl-Jaspers-Klinik Gedenkkreis Wehnen appelliert an Kirche, Justiz und Gemeinde
Chefarzt Dr. Jörg Zimmermann (links) begrüßte vor rund 100 Gästen den Festredner BILD: Markus Minten 
Bad Zwischenahn - Viele Schritte sind in jüngerer Zeit getan worden, nachdem zuvor Jahrzehnte Schweigen und Leugnen an der Tagesordnung waren. Aber Hinterbliebene von Opfern des menschenverachtenden Umgangs und Mordens zur Nazi-Zeit in der „Heil- und Pflegeanstalt Wehnen“ sind noch lange nicht am Ziel. Während sich die Ärzteschaft nach Jahrzehnten zu ihrer Verantwortung bekannt hatte, vermisst Edda Minssen ein solches Bekenntnis und eine Entschuldigung von Justiz, Kirche und politischer Gemeinde bis heute. Darauf verwies die Vorsitzende des Gedenkkreis Wehnen bei der Gedenkfeier im Festsaal der Karl-Jaspers-Klinik am Donnerstag. Die 69-Jährige, deren Mutter in Wehnen umgekommen war, rief die Rechtsnachfolger der damalig Verantwortlichen auf, sich der Wahrheit zu stellen. „Ein Öffnen der Archive würde zur Glaubwürdigkeit beitragen“, sagte sie etwa Richtung Kirche. „Und der Kurort tut sich schwer, dieses Thema als Wahrheit anzunehmen.“ Und: „Viele Fragen treiben uns um“, so Edda Minssen, „die einer ehrlichen Aufarbeitung bedürfen – zu unser aller Nutzen und Entlastung.“
Landrat Jörg Bensberg wies, Bezug nehmend auf ein Adorno-Zitat, darauf hin, dass „auch mit dem Geschehen hier in Wehnen etwas in die Welt gekommen ist, das ewig möglich bleibt“. Um die Menschen am Vergessen zu hindern, sei es wichtig zu erinnern. „Wir können und wollen dieses dunkle Kapitel nicht ausblenden.“
Auch Festredner Prof Frank Schneider, Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Uniklinikum Aachen, bedauerte, dass seine Zunft erst Ende der 1980er Jahre „nach viel zu langem Schweigen“ begonnen habe, dieses allerdunkelste Kapitel der Psychiatrie aufzuarbeiten. Er rief dazu auf, aus der Geschichte zu lernen: „Leid und Unrecht, erst recht nicht der Tod können ungeschehen gemacht werden. Aber wir haben gelernt. Wir müssen für eine menschliche Psychiatrie eintreten und gegen die Ausgrenzung psychisch Kranker kämpfen.“
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