Gäste zeigen sich überrascht
Besuch Chinesische Delegation informiert sich über Gemeindeverwaltung
Shizuishans Bürgermeister Zhang Zuoli trug sich im Beisein von Bürgermeister Arno Schilling und den Delegationsmitgliedern BILD: Markus Minten 
von Markus Minten
Bad Zwischenahn - Der Anfang einer Städtepartnerschaft war es wohl nicht. Zu weit entfernt und zu unterschiedlich sind die beiden Gemeinden: Hier Bad Zwischenahn mit rund 28 000 Einwohnern, dort Shizuishan mit 700 000 mehr. Hier eine agrarwirtschaftlich und touristisch geprägte Gemeinde, dort eine Stadt mit Bergbauvergangenheit und starker industrieller Prägung – und, wie die überraschten Gastgeber Bürgermeister Arno Schilling, sein Stellvertreter Rolf Oeljeschläger und Hauptamtsleiterin Heidi Schüll erfuhren, mit einer durchaus nennenswerten Weinproduktion.
Trotz aller Unterschiede stattete der Oberbürgermeister der Stadt, Zhang Zuoli, an der Spitze einer sechsköpfigen Verwaltungsdelegation Bad Zwischenahn am Mittwoch einen Besuch ab. Organisiert hatte den Besuch Dr. Yamei Leng, die in Bremen das Büro „China Dialog“ betreibt.
„Wir wollen von Ihnen lernen“, brachte der Gast sein Anliegen auf den Punkt. Und die Wissbegierde bezog sich vor allem auf die Struktur der hiesigen Verwaltung. Wie ist die Hierarchie im Rathaus? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik? Wie wird Wirtschaftsförderung betrieben? Wie finanziert sich die Kommune? Wer setzt Datenschutz- und Gleichstellungsbeauftragte ein?
Und bei Schillings Vortrag, der von Leng übersetzt wurde, erlebten beide Seiten Überraschungen. So wunderte es die Gäste aus China, dass die Kommunen in Deutschland Schulden machen dürfen. Das gebe es bei ihm nicht, so Zhang Zuoli. Wenn das Geld nicht reiche, gebe es welches von der Provinzbehörde. Auch die „zurückhaltende Art der Wirtschaftsförderung“ stieß bei den Gästen auf Unverständnis. Dass diese ihn um seine Selbstständigkeit beneideten, war hingegen für Schilling überraschend: „In China ist es nicht so einfach, Partei und Verwaltung zu trennen“, berichtete der Gast, nachdem der deutsche Bürgermeister ihm die Grundzüge von Gemeinderat und Verwaltung erläutert hatte.
Eine Frage der Chinesen dürfte der Bad Zwischenahner Verwaltungschef vielleicht zwar als reizvoll empfunden haben. Einer Umsetzung steht aber deutsches Tarifrecht im Wege: „Verdienen die Amtsleiter weniger, wenn sie weniger Steuern und Gebühren einnehmen“, wollte der Gast wissen – und war über die abschlägige Antwort dann doch erstaunt. Ebenso dürfte – wenn auch schweren Herzens – die auf die Einladung zu einem Gegenbesuch ausfallen. Beide Verwaltungen vereinbarten aber einen Informationsaustausch – der hauptsächlich auf elektronischem Weg stattfinden wird.
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