ASCHHAUSEN, 23. Februar 2012


„Immer eine Reise ins eigene Ich“

Abenteuer Aschhauser Manfred Schrodke zieht es mit dem Rad in die Berge


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Auch den 2149 Meter hohen Ofenpass hat Manfred Schrodke auf seinem Reiserad be­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ wältigt. BILD: Manfred Schrodke  Bild vergrößern

Bisher hat der 65-Jährige bereits 25 Alpenpässe bewältigt. 40 sind sein großes Ziel.

von Otto Renken

Aschhausen - Man kennt die unterschiedlichsten Reiseradler: Jene, die sich mit der Durchquerung Deutschlands einen Lebenstraum erfüllen, andere, die „aussteigen“ und einmal um die ganze Welt radeln, oder wieder andere, die zum Beispiel in der „Umrundung“ der Nordsee ihre Erfüllung finden. Der Aschhauser Manfred Schrodke dürfte zumindest unter Ammerländer Reiseradlern einzigartig sein: Wie ist es zu erklären, dass jemand aus einer Gegend, in der die kaum zehn Meter hohen Dreiberger Burghügel die größte Erhebung sind, echte Freude daran hat, bis zu 2800 Meter hohe Alpenpässe zu überqueren – alles mit dem Fahrrad, wohlgemerkt.

Auf seiner fünften Fahrradreise in den Alpen hat der 65-Jährige diesmal insgesamt zwölf Pässe „gemacht“ – und ist damit seinem großen Ziel, in seinem Leben 40 Alpenpässe zu meistern, wieder ein großes Stück näher gerückt: Nun fehlen „nur“ noch 15 . . .


Bundespolizei hilft
Schrodkes jüngste Reise war allerdings schon unterbrochen, bevor sie überhaupt richtig angefangen hatte: Frühmorgens, kurz vor 7 Uhr, blieb er auf dem Bahnhof Leer am Bahnsteig mit seinem Fahrrad zurück, während sein ganzes Gepäck bereits im Zug lag und der IC die Türen schloss und ohne ihn abfuhr. „Doch mit Hilfe der Bundespolizei und mit Unterstützung eines pfiffigen Bahnbeamten hatte ich mein Gepäck in Münster wieder und habe meinen Zielbahnhof Kon­stanz nach vierzehnstündiger Bahnfahrt erreicht“, so Schrodke. Und dann begann eine rund 1300 Kilometer lange Reise, „die es in sich hatte“.


Rund 16 000 Höhenmeter
Für Schrodke ist „jede Reise eine Fahrt ins eigene Ich“: „Das Zwiegespräch mit der Natur und dem eigenen Fahrrad ist das ultimative Erlebnis im Leben eines Reiseradlers meiner Bauart“, zieht Schrodke Bilanz. An jedem Tag hat er rund 75 Kilometer geschafft. Und dabei insgesamt rund 16000 Höhenmeter bewältigt. „Die Schweiz ist einfach ein Erlebnis für sich und das Engadin, Graubünden, Uri, Schwyz, Vierwaldstätter See usw. sind Gegenden, die ich nicht vergessen werde“, so Schrodke. Ruppenpass, Gotthardpass, Lukmanierpass, Ofenpass, Pragelpass, Umbrailpass und die Krönung, das Stilfser Joch mit fast 2800 Metern Höhe zu erleben, ohne sich selbst etwas beweisen zu wollen, sondern nur gemeinsam mit „Dem-da-oben“ zu erleben, „das ist unbeschreiblich“, fasst Schrodke seine Gefühle zusammen. Der Aschhauser kurbelte „knüppelharte“ Steigungen bis 18 Prozent hoch („Da muss man kreuzen wie ein Segler“) und ließ sich weder von Sturm, Kälte, Hagel und Regen entmutigen noch von Schneefall, der ihm in Höhen ab 2200 Metern begegnete: „Wetter vom Feinsten“ nennt es Schrodke im Nachhinein mit einem Augenzwinkern. Die eigenen Wünsche reduzieren sich bei solchen Strapazen am Ende des Tages aufs Minimale: trockene Sachen, heiße Dusche und ein schönes Bett.


Perfekte Infrastruktur
„Die Schweiz ist kein Radreiseland für den Massentourismus, die Schweiz ist eine Ausnahmeerscheinung, ein Kleinod, ein Schatz“. Schrodke ist begeistert von dem Land der Eidgenossen, in dem er seine Radreiseträume verwirklichen kann. Auf der gesamten Strecke hat er nur zwei andere Radreisende getroffen, die sich wie er von Alpengipfeln und Pässen berauschen lassen. Häufiger waren Rennradfahrer und Mountainbiker anzutreffen. Die Schweizer Infrastruktur für Radler nennt Schrodke „perfekt“.

35 Kilogramm schwer war das Gepäck, das der Aschhauser in den Packtaschen seines Utopia Roadster-Reiserades mit sich führte. Zur Ausstattung gehörten auch diesmal wieder Fotoapparat und Camcorder – und was er im Laufe der dreiwöchigen Tour in unzähligen Fotos und Videosequenzen festgehalten hat, wurde inzwischen in wochenlanger Arbeit zu einem Film verarbeitet: „Mein Film ,Querpass – mit dem Reiserad über die Alpen‘ ist jetzt fertig und ich bin selbst überrascht, wie eindrucksvoll die Bild- und Filmclips in HD-Auflösung geworden sind“, freut sich Schrodke über das Ergebnis.

Herausgekommen ist ein Filmvortrag „der etwas anderen Art“. Schrodke möchte andere ermutigen, ähnliches zu tun, zum Reisen mit Muskelkraft ermuntern, er liefert den Beweis, dass Verständigung auch in fremden Sprachräumen möglich ist – und dass das Leben selbst die schönsten Geschichten schreibt.

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Und während Manfred Schrodke in den kommenden Wochen seinen neuen Film in öffentlichen Veranstaltungen zeigt, reifen in ihm bereits neue Pläne: „Ich bin ja auch ein bisschen ,italophil‘ und möchte gern noch mal in die Süd-Toskana und nach Rom radeln“, skizziert Schrodke neue Reisepläne.

Wer Manfred Schrodke „live“ erleben möchte, hat an folgenden Terminen Gelegenheit: 9. März, 19.30 Uhr (Premiere), Renkens Bauerndiele, Wiefelstede (Querpass – mit dem Reiserad über die Alpen); 19. April, Reha-Zentrum Bad Zwischenahn (Mit dem Fahrrad nach Venedig); 20. April, Seefeld, Seefelder Mühle; 25. April, Oldenburg, Gemeindehaus Schützenweg (Toscana, Meer und Dolomiten); 31. April, Oldenburg, ev. Gemeindehaus, Peterstraße;4. Mai, Halsbek, Altdeutscher Hof; 11. Mai, Motormühle Rostrup (Querpass – mit dem Reiserad über die Alpen); 16. Mai, Oldenburg, Kulturzentrum PFL (Toscana, Meer und Dolomiten); 22. Mai, Reha-Zentrum Bad Zwischenahn (Querpass – mit dem Reiserad über die Alpen). Weitere Aufführungen sind in Planung.

Buchungen sind unter Telefon 04403/625518 oder unter manfred.schrodke@ ewetel.net möglich.






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